Schluss mit der Chancenverschwendung!

Der Football Manager kann Nerven kosten: Das Spiel beginnt mit totaler Dominanz, geht dann in Ratlosigkeit über und endet mit einer kaputten Tastatur. Wie um alles in der Welt kann man sooo! viele! hochkarätige! Chancen! verballern?!?! Es ist statistisch gesehen doch unendlich schwieriger Aluminium zu treffen als das Tor!!!

1. Einleitung

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Diese Spiele sehen meistens so oder so ähnlich aus wie in diesem Screenshot. Wir alle haben solche Spiele erlebt, bei denen ein greifbarer Gegenstand an der nächsten Wand zerschellt ist. Manche von uns waren sogar so außer sich, dass sie sich herabgelassen haben, den Football Manager zu beenden und das Spiel neu zu laden. Aber was kann man dagegen tun? Wir* versuchen diese frustrierende Frage zu beantworten.

In den FM-Foren im Internet bekommt man in der Regel immer die gleichen Antworten zu hören. Leider sind diese nur dazu geeignet, das eigene Blut noch eine Stufe höher kochen zu lassen. Schauen wir sie uns trotzdem an – dann können wir sie einordnen.

Das liegt an deiner Taktik!

Ähm, möglich – aber nein. Meine Taktik hat mich zur Meisterschaft geführt, sie funktioniert also ziemlich sicher. Vielleicht hat sich der Gegner etwas daran angepasst – aber das erklärt nicht, wieso meine Spieler beste Chancen liegen lassen. Wenn die Taktik schlecht wäre, würden wir diese erst gar nicht herausspielen.

Du musst einfach bessere Stürmer kaufen!

Eine nichtssagende Antwort – außerdem kann man nicht jedes Mal einen neuen Angreifer verpflichten, wenn man Probleme mit der Chancenverwertung hat. Und siehe oben: wir sind Meister, meine Spieler sind dieselben, die Moral ist hoch, alle sind fit …

Wenn es um die Qualität der Stürmer geht, gäbe es andere Ansatzpunkte: flatternde Nerven, eine falsche PPM, ein verstecktes Attribut. Um das bewerten zu können, muss man allerdings die Spieler kennen, bevor man so eine Pauschalaussage trifft.

Klare Chancen sind nicht immer einfach, du überbewertest die Statistik!

Die vielleicht ernsthafteste der Standardantworten. (Auch wenn sie unterstellt, dass man das Spiel nicht gesehen hat und dementsprechend die Chancen nicht selber einschätzen kann.) Trotzdem, hier sind drei meiner klaren Chancen:

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Selbst Torres bei Chelsea hätte eine dieser Chancen genutzt. Oder zumindest aufs Tor gebracht. Ja, Neuer ist ein großartiger Torwart, aber selbst er kann solche Bälle nicht immer vereiteln. Und hier haben wir die Halbchancen und vier Alutreffer noch gar nicht mitgezählt. Miese Chancenverwertung kann nerven.

Abgesehen davon spielt man nicht immer gegen Manuel Neuer und oft treten die Probleme gegen schwächere Gegner auf. Neulich in einem Spiel gegen Universitario Popayan hatte meine Mannschaft folgenden Chancen und hat dennoch nur 2:1 gewonnen:

Unzählige Großchancen - und doch kein Tor.

Unzählige Großchancen – und doch kein Tor.

Wie in den Beispielen oben wurden die Chancen mit an Dummheit grenzender Leichtfertigkeit vergeben. Das hätte selbst Emile Heskey besser hingekriegt.

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Auch wenn die drei Antworten sehr faul sind, könnten sie doch einen kleinen Funken Wahrheit enthalten. Das führt uns zurück zur Hauptfrage: Was kann man dagegen tun? Dazu müssen wir herausfinden, was Spieler dazu bringt, vor dem Tor reihenweise zu versagen. Die verschiedenen Faktoren können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Taktische Faktoren
  2. Mentale Faktoren
  3. Attributbezogene Faktoren

2. Taktische Faktoren

In manchen Fällen ist die Taktik wirklich der Schlüssel, um aus dem Häufchen Elend mit der Nummer 9 wieder eine Bestie zu machen. Hier sind ein paar Beispiele mit möglichen Lösungen und deren Riskien und Nebenwirkungen:

2.1 Überhastete Schüsse

Anstatt sich die nötige Zeit zu nehmen, schießt der Spieler zu schnell und trifft deshalb den Keeper oder verfehlt das Tor ganz. Was kann man dagegen machen?

Es gibt ein paar Teamanweisungen, die einen Einfluss haben und deshalb (de)aktiviert werden könnten.

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Shoot On Sight heißt, dass Spieler bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Abschluss suchen. In manchen Fällen wird das zu mehr Distanzschüssen führen, aber es kann auch bedeuten, dass die Spieler zu schnell schießen, anstatt sich die Zeit zu nehmen, um den Ball zu kontrollieren und ihn dann einfach einzuschieben. Ohne diese Anweisung geht’s vielleicht besser.

Die Tempo-Instruktionen sind eine andere mögliche Stellschraube. Mit geringerem Tempo kann dem Problem auch begegnet werden – allerdings hat die Anweisung auch Auswirkungen auf ganz andere Bereiche des Spiels wie Passspiel und Pressing.

2.2 Mauernde Gegner

Manchmal parken Mannschaften auch einfach ihren Bus vor dem Tor – d.h. du musst elf Verteidiger überwinden. Der Ball wird zwar bereitwillig dir überlassen, dafür besetzen sie (fast) allen Raum in ihrem Drittel. Klare Chancen zu kreieren ist fast unmöglich und nach Ballverlust sieht man sich einem schnellen Konter gegenüber.

Da hat der Trainer Beton anrühren befohlen - alle Spieler sind auf Defensive gepolt.

Da hat der Trainer Beton anrühren lassen – alle Spieler in blau sind auf Defensive gepolt.

Der Screenshot stammt aus einem FA Cup-Spiel zwischen Sheffield Wednesday und Tottenham. Sheffield hat alle Spieler in der eigenen Hälfte und alle bis auf einen im letzten Drittel – die einzige Spitze lauert in der Nähe der Mittellinie auf Kontergelegenheiten.

Diese Art der Verteidigung sorgt in der Regel dafür, dass man zu Distanzschüssen oder Flanken greifen muss – beides führt nur sehr, sehr selten zu Chancen mit hoher Konversionsrate. Und hat man mal den freien Mann im Sechzehner gefunden, wird dessen Schuss höchstwahrscheinlich von einem der zahlreichen Spieler dort geblockt.

Wie bekommt man den engen Block nun überwunden? Versuche, die gegnerische Verteidigung auseinander zu ziehen. Das ist so einfach wie effektiv. Indem die Linie auseinander und Spieler aus ihrer Position gezogen werden, entstehen Lücken zwischen den Linien. So werden die Verbindung und Organisation der Verteidigung gestört.

Als Teamanweisung sollte zumindest Über die Flügel aktiviert werden. Mitspieler hinterlaufen und Frühe Flanken können auch hilfreich sein – das Heil liegt in jedem Fall aber auf den Flügeln. Die gegnerische Verteidigung ist in der Regel sehr kompakt, alle Spieler halten ihre Position, die Innenverteidiger sichern die Außenverteidiger ab – bespielbarer Raum ist also Mangelware. Was passiert, wenn man das Spiel breiter macht?

Ein Königreich für ein bisschen Platz.

Innen ist alles dicht – das eröffnet ein wenig Platz auf dem Flügel.

Hier ein anderes Beispiel mit geparktem Bus. Meine offensiven Spieler haben den Gegner dazu gebracht, sehr eng zu stehen – die Seiten bleiben dadurch frei. Das Rechteck zeigt den Raum, in den der Außenspieler vorstoßen kann, bevor er eine Flanke schlägt.

Das ist eine zulässige Strategie, oder? Sie ist natürlich auch in bisschen einfach: Ball rein in den Sechzehner, der Ball wird geklärt, aufgenommen und wieder von vorne … in Endlosschleife. Natürlich kann man auf diese Weise mal ein Tor erzielen, aber das wäre eher eine Sache des Glücks, unzähliger Schüsse oder körperlicher Überlegenheit. Und vergessen wir nicht, dass durch die weitere Formation auch die Anfälligkeit für Konter gestiegen ist.

Der Plan B könnte auch einfach sein: weniger angreifen. Auch wenn das widersinnig klingt, hinter dem Wahnsinn steckt Methode. Indem die Mentalität reduziert wird, zieht man den Gegner etwas nach vorne. Indem sie Raum bekommen, ihre eigenen Angriffe aufzubauen, werden sie unweigerlich Raum hinter der Defensivlinie freigeben, den die eigene Mannschaft dann ausnutzen kann, wenn man den Ball in der Umschaltphase gewinnt.

2.3 Komme nicht in den Strafraum

Im Prinzip das genaue Gegenteil des ersten Problems. Anstatt überhastet abzuschließen, brauchen die Spieler zu lange am Ball, sodass der Gegner genug Zeit hat, sich neu zu formieren oder den Schuss zu blocken. Der Stürmer macht einen Haken zu viel, der Spieler zögert eine Sekunde zu lang vor der Flanke – schon ist jemand da und der Ball weg.

Schießen bei freier Bahn kann helfen, da die Spieler jede sich eröffnende Möglichkeit zum Torabschluss nutzen werden. Das kann zu vermehrten Distanzschüssen führen, hilft aber auch deinen Spielern beim Abschluss zu Potte zu kommen. Diese Anweisung könnte also den Abschluss verbessern.

Die Tempo-Anweisungen sind eine andere Möglichkeit, den Spielern Beine zu machen. Mit einem schnelleren Spiel, haben die Spieler weniger Zeit am Ball und müssen schneller handeln. Es bleibt zu beachten, dass damit auch die Wahrscheinlichkeit für Fehler steigt – möglicherweise verliert die Mannschaft den Ball schon, bevor sie überhaupt in der Nähe des Sechzehners ist. Das könnte gefährliche Konter und Gegentore für uns bedeuten. Eine gute Balance ist also wichtig.

3. Mentale Faktoren

Dieser Punkt kann sich sowohl auf die Spieler auf dem Feld beziehen als auch auf den Trainer an der Seitenlinie. Zu oft macht man die Abschlussschwäche an der Unfähigkeit seiner Spieler fest. Wie oft habe ich meine Spieler schon Torres oder Heskey geschimpft, während ich meinen Schädel gegen eine Wand aus Frustration gehauen habe? Womöglich bin ja sogar ich das Problem – dessen bin ich mir in vielen Fällen sogar sicher. Wir werden also auch diesen Aspekt betrachten müssen.

Wenn es um die mentalen Faktoren bei den Spielern geht, sprechen wir von Erscheinungen, die im Spiel nicht an Attribute gekoppelt sind. Das können zwei Dinge sein:

  1. Überheblichkeit
  2. Mangelndes Selbstvertrauen

Beim menschlichen Trainer (also dir und mir) gibt’s ebenfalls zwei Ansätze:

  1. Perfektionismus
  2. (Un-)Geduld

3.1 Überheblichkeit

Selbstgefälligkeit kann sich auf vielerlei Weise niederschlagen: zum Beispiel in einer laxen Einstellung, die zu übermütigen Entscheidungen beim Abschluss führt. Die Verteidiger und der Torwart können die Gefahr dadurch leichter abwenden – oder müssen erst gar nicht eingreifen. Mario weiß wie das geht:

So extrem muss sich das auch gar nicht äußern, Emile Heskey macht hier eigentlich alles richtig: Er läuft perfekt in Position, entledigt sich seines Gegenspielers – er muss nur noch einschießen. Irgendwie klappt das aber nicht:

Selbstgefälligkeit kann aber auch dafür sorgen, dass die Spieler gar nicht erst in Abschlusspositionen kommen, weil sie denken, es gehe heute auch mit halber Kraft. Doch da wollen wir nicht – wir brauchen Spieler mit voller Leistungsfähigkeit.

Schwierig wird es, wenn man dagegen vorgehen will. Während der Spiele hilft nur die Halbzeitansprache. Mit der richtigen Wortwahl werden die Stürmer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt:

Den Spielern aggressiv klar zu machen, dass sie nichts auf die Reihe bekommen funktioniert erstaunlich gut im FM15, auch wenn es hin und wieder nach hinten losgehen kann.

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Da platzt dem Trainer die Hutschnur …

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… und den Spielern gefällts.

Bei Einwechslungen kann man versuchen, die Ersatzspieler motiviert und konzentriert ins Spiel zu schicken – auf dass sie es besser machen mögen als die erste Elf. Zu einer funktionierenden Mannschaft gehören gefährliche Joker.

Letzte Anweisungen vor der Einwechslung: Mach et, Junge!

Letzte Anweisungen vor der Einwechslung: Mach et, Junge!

Nach dem Spiel kannst du mit deinem Problemstürmer das Gespräch unter vier Augen suchen und seine Leistungen kritisieren. Die private Atmosphäre ist der Ort, deine Spieler zu härterer Arbeit und größerer Konzentration zu ermahnen.

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3.2 Mangelndes Selbstvertrauen

Manchmal gibt es Torjäger, die diesen Namen mehr als verdient haben – und trotzdem ist das Tor manchmal wie vernagelt. Man denke nur an Mario Gomez. Oder Fernando Torres, der nach seinem Wechsel von Liverpool zu Chelsea einige Verletzungen zu bewältigen hatte und dessen Selbstvertrauen danach am Boden war. Der einst so kalte Vollstrecker im Atletico- oder Liverpool-Trikot war in blau nicht mehr wiederzuerkennen:

Er war weder überheblich, noch unfähig – ihm schien nur das entscheidende Etwas zu fehlen, das ihn bis dahin ausgezeichnet hatte. Die meisten Experten und Fans schrieben dies magelndem Selbstvertrauen zu. Torres‘ Start für seinen neuen alten Verein Atletico scheint diese These zu untermauern.

Im Football Manager ist mangelndes Selbstvertrauen – so wie wir das sehen – an Moral und Spielpraxis geknüpft. Moral kann mit Einzelgesprächen aufgebaut werden, aber auch durch allgemeine Teamansprachen.

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Die Spielpraxis ist ein wenig verzwickter. Um sie zu erhöhen, muss der Spieler einfach spielen. Vielleicht kann man das Problemkind zunächst über die Reserve heranführen, aber das hängt auch davon ab, wie dringend man den Spieler in der ersten Elf benötigt.

3.3 Perfektionismus

Wie die meisten FM-Spieler strebe ich nach Vollkommenheit und denke manchmal, dass das der Hauptgrund für meine Frustration mit der Abschlussschwäche sein könnte. Man bewundert die taktische Perfektion: ein wundervolles Aufbauspiel, schöne Pässe, öffnende Läufe – und am Ende wird alles zunichte gemacht, indem der Ball in den Händen des Keepers landet oder direkt in den Wolken. Zu akzeptieren, dass es manchmal einfach so ist – das ist vielleicht das schwierigste, was man von einem FM-Spieler erwarten kann. Aber dieses Streben nach Perfektion führt oft zu überhasteten Entscheidungen und Aktionismus, was meistens die Dinge schlimmer macht statt besser.

3.4 (Un-)Geduld

Dein Team hat die Liga gewonnen und du weißt, wie es am besten spielt? Also warum Änderungen vornehmen? Ich hatte ein paar sehr zähe Monate mit Deportivo Cali in der letzten Saison, als wir ständig Chancen vergaben und nur unentschieden spielten, wo wir klare Gewinner hätten sein müssen.

Dabei war das eine Mannschaft, die für viele Tore gut war und das kann man nicht einfach von heute auf morgen verlieren. Nachdem ich alle meine Gedanken sortiert hatte, war mir klar: Ich mache gar nicht so viel falsch – es war einfach eine Phase, in der das Glück nicht auf meiner Seite war. Das gibt’s im FM genauso wie im richtigen Leben. Also habe ich nichts geändert und wir bekamen die Kurve rechtzeitig, um uns für die Play-offs zu qualifizieren.

Unsere Form erreichte ihren Höhepunkt im Rückspiel des Playoff-Finals, was man hier bewundern kann:

Sei tapfer und durchstehe diese Phasen – am Ende wirst du belohnt. Vielleicht.

4. Attributbezogene Faktoren

Wenn es um die Fähigkeiten eines Spielers geht, sprechen wir um Verhalten, das direkt mit seinen Attributen verknüpft ist. Diese können auf vierfache Weise zu vergebenen Chancen beitragen:

  1. Schlechte Nervenstärke und Entscheidungen
  2. Negative PPMs
  3. Technische Fähigkeiten
  4. Physische Merkmale

4.1 Schlechte Nervenstärke und Entscheidungen

Mit schlechten Nerven wird der Spieler den Druck durch einen Verteidiger oder den herausstürmenden Torwart stärker spüren, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er seine Chancen liegen lässt.

Diese Spieler kann man Nervenstärke individuell trainieren lassen. Mit dem Fokus auf einem einzelnen Attribut bleiben vielleicht andere Bereiche auf der Strecke, die der Spieler benötigt um effizient in Aufbauspiel und Abschluss zu sein. Es ist deshalb wichtig, die gesamte Entwicklung des Spielers im Auge zu haben und zu wissen, wo man mit ihm hin will.

Konfrontationstherapie im FM15: Individuelles Training verbessert die Nervenstärke.

Konfrontationstherapie: Training verbessert die Nervenstärke.

Als Kompromiss kann man den Spieler auch eine bestimmte Rolle trainieren lassen. Die meisten offensiven Rollen haben Nervenstärke als Schlüsselattribut aufgeführt, sodass es auch im Rollentraining verbessert wird.

Ein anderes Attribut, das beeinflusst, was ein Spieler macht ist Entscheidungen – eines der wichtigsten Attribute im Spiel. Ein Spieler sieht sich ständig mit mehreren Optionen konfrontiert und das Attribut Entscheidungen bestimmt, ob der Spieler die beste wählt. Außerdem kontrolliert es, wie und wann eine Aktion ausgeführt wird. Entscheidungen entscheidet also was, wann und wie der Spieler macht. Durch Training oder Tutoring kann die Entscheidungsfähigkeit verbessert werden.

4.2 Negative PPMs

PPMs sind, wie du wahrscheinlich weißt, bevorzugte Spielweisen. Sie sind Markenzeichen dieses speziellen Spielers und dementsprechend Aktionen, die dieser höchstwahrscheinlich während eines Spiels ausführen wird.

Man kann seinem Spieler PPMs beibringen (oder vielleicht hat er schon welche), die einen Einfluss auf die Abschlussfähigkeit haben. Die verschiedenen Möglichkeiten sieht man im Screenshot:

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Jede PPM hat ihre Vorteile, aber auch Nachteile. Zum Beispiel die Option „hart schießen“:

Während ein harter Schuss manchmal von Vorteil ist, kann er ein anderes Mal ziemlich unpassend sein. Wenn Kuba den Ball hier einfach nur eingeschoben hätte, wäre wahrscheinlich alles gut gewesen. Eine andere negative PPM wäre in diesem Zusammenhang „Dwells on the Ball“.

Der Spieler hat die Tendenz zu lange am Ball zu kleben und trifft deshalb seine Entscheidungen manchmal zu spät. Frank Mill hätte es mit einem frühen, beherzten Abschluss in der oben gezeigten Szene wohl kaum zu seiner zweifelhaften Berühmtheit geschafft.

Bevor man seinen Stürmern eine bestimmte Art des Abschlusses beibringt, sollte man sich überlegen, welche zur Spielweise des Teams passt und ob der Spieler überhaupt die Attribute hat um die PPM zu vollem Nutzen zu bringen. Wenn dein Stürmer langsam ist und nicht dribbeln kann – dann sollte er eher nicht versuchen, den Torhüter zu umrunden.

4.3 Technische Fähigkeiten

Das bringt uns zum nächsten Teil, den technischen Attributen. Nur auf das Attribut Abschluss zu schauen, greift zu kurz. Wir werden das nicht weiter vertiefen, aber es ist wichtig zu wissen, dass es nicht isoliert funktioniert, sondern weitere Attribute eine Rolle spielen. Die mentalen Attribute Entscheidungen und Nervenstärke haben wir schon behandelt – nun betrachten wir zwei technische Attribute, die Einfluss auf den Torabschluss haben.

Das erste ist Technik. Dieses Attribut beschreibt die Bandbreite der technischen Möglichkeiten eines Spielers. Je höher der Wert, desto mehr kann der Spieler mit dem Ball anfangen. Ein Beispiel: Wenn ein Spieler den Ball wie Bergkamp oder Basler anschneiden will, dann muss er das in seinem Repertoire haben. Wie groß das ist, wird von seinem Wert in Technik bestimmt.

Das zweite Attribut ist Ballannahme. Sobald ein Spieler den Ball erhält, bestimmt dieses Attribut wie gut er ihn kontrollieren kann. Je besser das funktioniert, desto einfacher ist es, die folgende Aktion durchzuführen. Warum das wichtig ist?

Ich glaube, das Video ist ziemlich selbsterklärend. Auch wenn es nicht die größte aller Chancen war (und wir Lord Bendtner hier etwas hart angehen), zeigt es doch, wieso ein Spieler saubere Technik und Ballannahme haben sollte um seine Chancen zu nutzen. Gerade bei Abprallern oder schwierigen Flanken und Pässen helfen diese Attribute ungemein, dem Angriff doch noch Torgefahr zu verleihen.

4.4 Physische Merkmale

Hier geht es vor allem um ein Attribut, das im Football Manager oft übersehen wird: Balance. Es wird bei Offensivspielern manchmal einfach vergessen, dabei ist es (meiner Meinung nach) ein zentraler Aspekt, wenn es um die Abschlussstärke eines Spielers geht.

Gegen Mannschaften, die eine engmaschige Defensive haben, sieht sich ein Stürmer von allen Seiten Druck ausgesetzt und kann so leicht die Balance verlieren. Wie oft hat man schon von Kommentatoren gehört, dass der Spieler aus dem Gleichgewicht gebracht wurde und der Schuss deshalb nicht besondern sauber war? Je besser sein Gleichgewichtssinn, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er den Ball sauber trifft.

Wenn deine Angreifer schlechte Balance haben, verbessere sie im Training. Oder verändere ihre Rolle gegen dicht gestaffelte Gegner so, dass sie mehr außerhalb des Strafraums agieren. Dort wird er hoffentlich mehr Zeit und Raum haben und somit nicht so leicht von einem Verteidiger aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

(Kraft spielt in diesem Zusammenhang sicher auch eine Rolle und hilft ungemein, sich lästige Gegenspieler vom Leib zu halten.)

5. Fazit

Chancenverwertung ist wahrscheinlich der Bereich des FM, bei dem die Spieler am häufigsten das Gefühl mangelnder Kontrolle haben. Das sorgt für Frust und Wut – auf das eigene Team wie auch auf die Match Engine.

Wir* hoffen, dass wir in diesem Artikel helfen konnten, das Problem und mögliche Lösungen auf eine andere Weise zu betrachten.

Es gibt viele Variablen, die den Ausgang eines Spiels bestimmen. Deshalb werden wir sicher nicht jeden Aspekt abgedeckt haben – dennoch hoffen wir, dass die verschiedenen Ansatzpunkte helfen, deine Stürmer wieder auf Spur zu bringen und aus deinen Chancen auch Tore werden zu lassen.

Mögen deine Sofakissen ab sofort wieder entspannt herumliegen können – in dem Wissen, dass die frustrierten Schläge sich in Zukunft massiv reduzieren werden.

 


 

* Dieser Artikel von Jonathon Aspey (The Tactical Annals), Diego Mendoza (Pass The Bloody Ball) und Guido Merry (Strikerless) erschien im englischen Original auf strikerless.com: Finishing Chances – How can I stop my forward finishing like Torres at Chelsea?.

Thank you guys for the permission to translate this excellent piece :)

13 Kommentare

  • Mein Deutsch ist nicht besonders gut, aber dies ist meiner Versüch ein Kommentar aufs Deutsch zü schreiben. Dies ist eine güte Übersetzung ünser originelles Artikel. Das hast du güt gemacht! Wenn du auch andere Artikelen übersetzen möchtest, sollst du nür fragen ;)

    • Hi Guido,

      danke für deinen Kommentar – der erste überhaupt auf diesem Blog :-)

      Ich komme gerne bei Gelegenheit auf dein freundliches Angebot zurück!

      Grüße Tery

  • Hi Tery, ein super Text, teilweise sogar mit bewegten Bildern aus dem realen Fußball untermauert, sehr schön! Natürlich gilt auch den ursprünglichen Verfassern ein Riesenlob, aber ich finde es vor allem toll, dass du so einen Blog jetzt auch auf deutsch anbietest!
    Auch, wenn ich nicht alles kommentieren kann darfst du dir schon mal eines weiteren regelmäßigen Lesers sicher sein. :)

  • Sehr interessant. Sind durchaus Aspekte dabei die ich noch nicht so verstanden hatte, bzw die ich wissen wollte aber bisher keine Antwort gefunden hatte. Vielen Dank und weiter so.

  • Toller Beitrag, sehr informativ. Toller Blog, weiter so.

  • Ein Punkt, der nicht angesprochen wird: der Kontext. Der FM orientiert sich nicht an Fifa, wo jeder Bumms von Ronaldo aufs Tor geht. Meiner Erfahrung nach haben sehr wenige Spieler eine Ahnung davon, wie viele Chancen verwertet werden und wie viel Schüsse aufs Tor gehen. Selbst Alleingänge auf den Keeper werden im Schnitt ca. zu 33% verwertet — und sind, auch wenn sie hoch dramatisch aussehen, nicht mal die besten Chancen, die man haben kann. Abstaubersituationen, Elfmeter, jegliche Art von Situation, in denen der Keeper tatsächlich mal einen Nachteil hat (statistisch ist die Defensive fast immer im Vorteil). Auch wer weiß, dass selbst Spitzenteams wie Juve im Schnitt fast 17 Schüsse pro Partie generierten und keine zwei davon verwerteten, also ungefähr jeder achte Schuss ins Tor ging, was absolute Spitze ist (der Schnitt ist ein Tor in zehn Schüssen), der sieht so manches anders. Von 26 Siegen Juves gingen 11 mit einem Tor Unterschied aus (nur 5 davon mit 3 Toren Unterschied oder mehr), wie überhaupt Siege mit einem Tor Unterschied mit Abstand die häufigsten Ergebnisse im Fußball bleiben. Das hat verdammt viel damit zu tun, dass diese Bekloppten alles Ernstes mit dem Fuß einen Ball vorbei an Gegner und Keeper ins Tor bugsieren möchten; irre. Streben nach Perfektion ist nichts Schlechtes; aber der Maßstab muss stimmen.

    Natürlich heißt das nicht, dass man pausenlos aufs Tor knallen muss, um ein Tor zu schießen; von fünf Schüssen können direkt drei drin sein. Ironischerweise akzeptieren Spieler das im echten Sport, denn kein Teamsport ist unberechenbarer als Fußball; und ohne seine besonderen Gesetze hätten Amateure wie im Handball gegen Profis niemals eine Chance. Generell sind die Abschlüsse im FM eigentlich recht nah dran, auch wenn sowohl Taktik als auch Spieler sowie deren Motivation Ausreißer produzieren können. Wer will, kann seine eigenen Werte ja wirklich mal mit den KI-Teams vergleichen; immer ein guter Anhaltspunkt. Die (eigene) Taktik sogar langfristig (einfach mal aus allen Lagen draufbumsen lassen lässt die Ausbeute Torschuss->Tor insgesamt schnell gerne in den Niedrigprozentbereich plumsen, siehe Teamreport->Statistiken, aber das ist ja auch klar). Und die Psychologiegeschichte zumindest mittel- bis kurzfristig. Zumal zu „Taktik“ auch gehören kann, die beiden Complete-Wingbacks bei Führung vielleicht mal an die Leine zu nehmen, oder zumindest einen davon, um nicht 90 Minuten anzurennen.

    Ich habe daher auch ein Problem mit Aussagen wie: „Meine Taktik funktioniert, ich wurde Meister, das kann es also nicht sein“. Zum einen ist Taktik „nur“ Taktik. Wer will kann’s probieren: Wer sehr gute Dribbler für sein Niveau hat, Bombenstürmer oder generell einen guten Kader, der kann Spieler teilweise komplett isolieren bzw. in Unterzahlsituationen bringen; die Einzelaktionen reißen da einiges raus. Und ganz oben an der Spitze stehen Spieler wie Messi, die im Spiel so stark sind, dass man mit zehn Mann hinten bleiben kann und den Ball zu ihnen kloppen — zwar wird man die Saisonziele verfehlen und irgendwann in BEdrängnis kommen. Aber um die CL-Spiele in der Liga kickt man trotzdem mit, weil der Mann regelmäßig fünf Spieler im Alleingang umkurvt.

    Zum anderen bestimmt Taktik entscheidend, welche Art von Torchance herausgespielt wird, und wer sie verwertet. Auch im FM ist Torchance nicht Torchance, und wenn das Spiel nicht den Winkel zum Tor, die Distanz und den Platz berücksichtigen würde, den ein Spieler um sich herum hat oder nicht, wäre es eine schwache Sim. Zu den Torchancen kommt zum Beispiel die Anekdote aus einer alten Version. In der fanden Spieler recht schnell heraus, dass es einen Bug mit den Innverteigern gab. Recht regelmäßig klaffte zwischen denen eine Lücke, über die man einen zentralen Stürmer mit Steilpässen füttern konnte. Der war dann jedes Mal durch, aber meist aus kurzer Distanz zentral vorm Keeper, was es für den Keeper natürlich einfacher machte abzuwehren. Jetzt das Ding: Menschliche Spieler konzentrierten sich vollends auf diesen Bug und erzeugten ausschließlich diese Art von Chance, die trotz CCC-Wertung oft leicht abzuwehren war: Steilpässe durch die Mitte auf den zentralen Stürmer. Die KI machte das nie, ließ Spieler auch auf den Außen vorrücken und flanken und von dort Steilpässe spielen und hatte alleine dadurch nicht diese miserable Verwertung.

  • Apropos Verwerter von Chancen: wenn alles auf einen einzelnen Spieler ausgerichtet ist, der den Löwenanteil an Abschlüssen macht, weil er der einzige ist, der wirklich in die Box geht, riskiert dann und wann auch mal ein paar zusätzliche Ausfälle. Ist der Mann nach einem verschossenen Elfmeter im Spielverlauf nervös, generell außer Form oder wegen schlechter Moral unsicher, kann das die Quote senken. Das ist Taktik dann auch ein großer Teil Taktik, der in einer Meistersaison mit Endlosserie der glücklichen Siegesglücksbärchis nicht so gegriffen haben mag. Aber in einer Krise durchaus auftreten kann.

  • edit: Liest sich fast eher wie Kritik denn als Kommentar. Deshalb auch Lob, sehr gut aufgemachter Artikel, und auch übersetzt must erst mal werden. :-)

    Übrigens noch ein paar Zahlen,das ist eigentlich überall so in den Topligen, um das Phänomen FUßball mal in Zahlen zu sehen: in 70% aller Bundesligaspiele der letzten Saison schoss keins der beiden beteiligten Teams überhaupt mehr als zwei Tore, Führungen sind also (fast) immer in Gefahr, ausgeglichen zu werden, und man kann ballern wie man will; der Ertrag bleibt kläglich (es sei denn, man ist Bayern München und dominiert so stark, dass man Gegner wirklich recht regelmäßig komplett auseinander nimmt). Und auch wenn das nicht alle Comebacks enthält, hier sieht man auch, wie oft eine Führung noch ausgeglichen oder gedreht wurde.
    http://www.soccerstats.com/table.asp?league=germany&tid=4
    http://www.soccerstats.com/table.asp?league=germany&tid=l

    Wäre cool, ähnliche Stats im Spiel zu haben, um mal zu vergleichen. Intern haben Sports Interactive die glaube ich sogar, früher veröffentlichten sie sie auch für alle Ligen.

    • Hi Sven, danke für deine Kommentare – die Statistiken sind interessant. SI gleicht meines Wissens die Ergebnisse ihrer Simulationen auch mit echten Stats ab, damit am Ende möglichst realistische Werte rauskommen.

      Ansonsten hast du auch recht. Taktik ist komplex und kann viele Dinge beinhalten und am Ende spielen doch noch andere Faktoren mit hinein. Deshalb ist es meines Erachtens wichtig, ein gutes Auge zu entwickeln, um auch im Spiel die Taktik sinnvoll anpassen zu können. Hilfreich ist auch, wenn die Taktik von vornherein schon nicht nur auf einen Torschützen zugeschnitten ist.

      Grüße Tery

  • Wollte auch sagen: Wenn man den Eindruck hat, das Team würde so unglaublich viele Chancen versemmeln, hilft oft schon ein Blick auf die Statistiken, um zu prüfen, ob das generell auch wirklich so ist. Die Komponente fehlt. Man nimmt Spiele im FM sehr anders wahr, nicht nur weil man sehr aufs eigene Team fixiert ist und verlangt, dass Chancen regelmäßig genutzt werden, womöglich mit unrealistischer Verwertungsquote. Sondern auch weil man je nach Spielweise mehrere am Tag spielt. Wenn Robben vergeigt, liegt dazwischen jeweils immer mindestens eine Woche. :-)

    Man kann sich zum Beispiel im Kaderscreen Statistiken anzeigen lassen, die einen die Verwertung der Topspieler wirklich ausrechnen lassen. Hier Messi mit knapp 35% Verwertung aller Schüsse aufs Tor, was völlig normal ist. http://i.imgur.com/BRvdm0J.jpg

    https://notbottomline.wordpress.com/2013/01/17/who-is-europes-deadliest-finisher/

    Und manchmal: so ist Fußball. Selbst wenn man jedes einzelne Spiel einer Saison dominieren würde, man würde mit hoher Wahrscheinlichkeit so manches Spiel nicht gewinnen. Das passiert mit jedem Topteam der Welt. Die Chancen, die der dominierte Gegner hat, sind oft übrigens höher, da nicht selten Gegenangriffe. Das ist aber nicht geskriptet oder Spiele sind ungewinnbar. Dazu können Spieler ja nach Siegesserien auch zu selbstsicher/überheblich werden, was einen kleinen Einfluss auf ihre Performance hat.

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