Sir Alex Ferguson, der Football Manager und Du

Alex Ferguson Football Manager

Neulich habe ich das Buch „Leading“ von Sir Alex Ferguson gelesen. Dabei fiel mir auf, wie ähnlich die Gedanken der Trainerlegende von Manchester United in Teilen meiner Herangehensweise im Football Manager sind. Aus Gesprächen mit anderen FM-Spielern erfuhr ich, dass auch sie – meist unwissentlich – manche dieser Prinzipien in ihren Spielständen umsetzen. Daher achtete ich bei meiner Lektüre darauf, ob ich weitere Ansätze in den Football Manager übernehmen könnte: Voilá – die Idee für diesen Artikel war geboren.

0. Einführung

Wenn ich ein neues Managerprofil anlege, überlege ich mir gleichzeitig eine Geschichte/Biografie für mein virtuelles Alter Ego. Dazu gehören auch Grundideen, nach denen er sein Team managen soll. Das erhöht die Identifikation und somit den Spielspaß.

Wenn die großen Trainer unserer Zeit aufgezählt werden, wird Sir Alex Ferguson gerne mal vergessen. Namen wie Guardiola oder Mourinho sind da öfter zu vernehmen. Ein Grund dafür mag sein, dass es den typischen „Ferguson-Fußball“, anders als z.B. bei Pep, nicht gibt. Der Spielstil von Manchester United (offensiv und eher flügelbetont) ist historisch begründet und nicht nur auf Fergie zurückzuführen, obwohl er selbst auch meist so spielen ließ. Jedoch ging es ihm – anders als den Fußball-Philosophen wie Guardiola oder Wenger – nie um einen bestimmten Spielstil, sondern ausschließlich um Erfolg. Die Mittel, die diesen Erfolg bescheren sollten, waren dabei zweitrangig:

„Es gibt letztlich nur einen Weg, um ein Pokalfinale wirklich zu genießen: Man muss es gewinnen!“
– Sir Alex Ferguson

Fergie-Time in ManchesterFC United of Manchester

Passenderweise ist in der Release-Datenbank des Football Manager 2018 der Trainerstuhl eines Vereins aus Manchester unbesetzt: der des FC United Of Manchester. Der Verein wurde 2005 von enttäuschten ManUtd-Fans gegründet, um gegen die Übernahme durch den Geschäftsmann Malcolm Glazer zu protestieren.

Die richtigen Voraussetzungen also um herauszufinden, ob man im Football Manager einen Verein auf „Ferguson-Art“ führen und damit erfolgreich sein kann!

Im Folgenden werde ich verschiedene Bereiche des Trainer-/Manager-Daseins beleuchten. Jedem Unterpunkt stelle ich einen Gedanken oder ein Zitat von Fergie voran und erläutere dann, wie ich es für mich interpretiert und im Football Manager umgesetzt habe. Los geht’s:

1. Kader- und Transferpolitik

Jeder kennt Spieler, die die Jugendakademie von Manchester United durchlaufen haben: Bobby Charlton oder die „Class of 92“ mit Ryan Giggs, Paul Scholes, David Beckham, den Neville-Brüdern und Nicky Butt:

Embed from Getty Images

Dazu hat Fergie junge Spieler von Außen dazu gekauft, wenn er von diesen überzeugt war: Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und David de Gea seien hier als Beispiele genannt.

Sir Alex entwickelte also gerne junge Spieler. Sah er allerdings eine Lücke im Kader und wollte oder musste diese kurzfristig schließen, war das Alter des Neuzugangs zweitrangig.

Bei Abgängen verfuhr Sir Alex ähnlich kompromisslos: Bemerkte er, dass ein Spieler nicht (mehr) gut genug für seine Pläne war, wurde dieser abgegeben – egal wie sehr er sich um den Verein verdient gemacht hatte.

Ähnlich gehe ich vor: Ich habe im Rahmen der Möglichkeiten die Jugendarbeit optimiert und versuche, die talentierten Nachwuchsspieler in die Mannschaft einzubauen. Neben geeigneten Tutoren gebe ich ihnen so viel Spielpraxis wie möglich. Gleichzeitig halte ich den Transfer- und besonders den Leihmarkt immer im Auge.

Im Laufe meines FC-United-Saves haben sich bei mir folgende, von Alex Ferguson inspirierte und auf meine Situation angepasste, sechs Regeln herauskristallisiert:

  1. Habe jede Position mit genau einem Spieler besetzt, der für die aktuelle Liga gut genug ist und auch – im Falle eines Aufstiegs – kein Füllstoff im Kader wäre!
  2. Besetze die Bank möglichst mit Spielern aus dem Nachwuchs, die du aufbauen willst!
  3. Hole nur Spieler von außen, die deine erste Elf verstärken – oder so außergewöhnlich talentiert sind, dass du sie mittelfristig einbauen kannst!
  4. Lerne Jugendspieler auf mehreren Positionen an!
  5. Keine falsche Loyalität zu Spielern: Wer nicht (mehr) gut genug ist, muss gehen!
  6. Bist du dir unsicher, ob du einen Spieler verpflichten solltest, dann verpflichte ihn nicht!

Vorteile eines kleinen Kaders

Jede Position nur einmal besetzt zu haben, ist für international spielende Vereine natürlich ein riskantes Unterfangen. Da der FC United aktuell kein solcher Verein ist: warum den Kader unnötig aufblähen? So gibt es weniger unzufriedene Spieler und vor allem erhalten die Nachwuchsspieler Spielpraxis. Da man nicht jeden aussortierten Spieler sofort los wird, gibt es ohnehin immer einige zusätzliche Spieler, die im Notfall einspringen können. Einige Positionen werden also durchaus doppelt besetzt sein.

Nicht immer wird man ausreichend talentierte Nachwuchsleute für die Bank haben. Dennoch ist es eine gute Gelegenheit, einem jungen Spieler zu ein paar Minuten Spielzeit zu verhelfen, wenn sich ein Stammspieler während des Spiels verletzt oder erschöpft ist.

Variable Spieler

Spieler, die mehrere Positionen beherrschen, sind aus vielen Gründen sinnvoll: Erstmal kommt man so mit einem kleineren Kader aus, weil man nicht für jede Position einen Back-Up braucht. Und dann ist da noch der taktische Faktor, wenn man unterschiedliche Spielertypen für eine Position zur Verfügung hat – ganz nach dem Leitsatz:

„Jeder Spieler kann jede Rolle ausfüllen, er wird sie nur anders interpretieren.“
– Cleon, teaandbusquets.com

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Innerhalb meiner Taktik besetze ich die Rechtsverteidiger-Position mit der Rolle „Außenverteidiger“. Ein Ryan Giggs (der diese Position übrigens öfter gespielt hat, als man glaubt!) würde diese Rolle jedoch vollkommen anders spielen, als einer der beiden Neville-Brüder – einfach, weil es komplett unterschiedliche Spielertypen sind. Durch einen einfachen Spielerwechsel kannst du also die Spielweise anpassen, ohne die Taktik an sich zu verändern.

Time to say goodbye

Bringt ein Spieler nicht (mehr) die erwünschte Leistung, dann weg mit ihm. Das klingt zwar hart, ist aber das Beste für beide Seiten. Hat dein vermeintlicher Star in zwei Saisons kaum Leistung gebracht, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass sich das noch ändern wird. Also setze ihn auf die Transferliste und erkläre ihn zum nicht benötigten Spieler. Das macht deinen Standpunkt unmissverständlich deutlich und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Angeboten (wenn diese auch geringer ausfallen werden).

Wenn dein 34-jähriger Abwehrrecke nur noch die Rückennummern seiner Gegenspieler sieht, suche mit ihm das Gespräch und reduziere seinen Kader-Status. Vielleicht zieht er zu einem anderen Klub weiter, vielleicht kannst du ihn noch als Tutor verwenden oder er eignet sich als zukünftiger Mitarbeiter. Aber nur weil er fünf Jahre lang deine Abwehr zusammengehalten hat, bedeutet das nicht, dass er es immer noch kann. Deine anderen Spieler werden es merken, wenn du Spieler durchschleppst – also vermeide auch hier unnötigen Ärger. Der Erfolg steht an erster Stelle!

Transferphase ist immer

Genauso solltest du immer den Markt und interessante Spieler im Auge behalten: Vielleicht möchte dein Starstürmer morgen wechseln – da wäre es von Vorteil, wenn du nicht erst wochenlang mögliche Nachfolger suchen musst. Oder vielleicht verkracht sich der Linksverteidiger, auf den du schon länger ein Auge geworfen hast, ja mit seinem Trainer und ist plötzlich für kleines Geld verfügbar …

Das wichtigste bei Transfers: Sei dir sicher, dass der mögliche Neuzugang eine Verstärkung ist. Wenn du dir unsicher bist, dann verzichte auf den Transfer und suche lieber weiter.

Worauf Sir Alex ebenfalls immer geachtet hat: dass Verträge von Schlüsselspielern nie zur selben Zeit enden. Es wäre ärgerlich, wenn dein Keeper, dein Regisseur und dein Stürmer-Star ihre zeitgleich endenden Verträge nicht verlängern möchten und du auf einmal ohne Team-Achse auskommen musst – und das ohne finanzielle Entschädigung.

2. Mannschaftsführung

 „Als Team-Manager bekommt man von den Spielern reichlich Gelegenheit die Peitsche zu schwingen, also sucht man sich die geeigneten Augenblicke am besten gründlich aus.“
– Sir Alex Ferguson

Seit der Einführung des Features „Mannschaftsgefüge“ (engl. Dynamics) im Football Manager 2018 ist es noch wichtiger, wie du mit deinen Spielern umgehst. Dazu gehören auch deine Äußerungen in der Presse.

Disziplinarmaßnahmen

Ich habe festgestellt, dass eine klare Linie sich sehr positiv auf das Mannschaftsgefüge auswirken kann. So sind beispielsweise Geldstrafen nach einem Platzverweis möglich, aber nicht immer sinnvoll. Das entscheide ich fallweise. Wichtig für mich sind dabei: Zeitpunkt und Art des Platzverweises, Spielstand vor und nach dem Platzverweis, Status des Spielers und seine Position.

Zum Beispiel: Mein Schlüsselspieler-Innenverteidiger fliegt in einem Ligaspiel in der 36. Minute beim Spielstand von 1:0 mit Rot vom Platz und wir verlieren zu zehnt noch 1:3. Da werde ich ihn höchstwahrscheinlich mit einem zweiwöchigen Gehaltsentzug bestrafen. Liege ich hingegen im Pokal gegen einen unterklassigen Gegner mit 6:0 vorne und mein Nachwuchs-Flügelflitzer fliegt in der 89. Minute mit Gelb-Rot runter, gibt es maximal eine offizielle Verwarnung.

Auch bei Strafen wegen einer schlechten Leistung verfahre ich ähnlich. Allerdings kann sich der jeweilige Spieler dann sicher sein, dass er – unabhängig von der Leistung seines Ersatzes – mindestens die nächsten zwei, drei Spiele von der Bank oder der Tribüne aus verfolgen darf.

Presse-Arbeit

Falls du die Gespräche mit der Presse selber übernimmst (was ich, auch wenn es auf Dauer langweilig ist, empfehlen würde), ist auch dein Auftreten dort nicht unwichtig für die Spieler. Eine klare Linie zahlt sich aus. Sei in Gesprächen mit der Presse selbstbewusst, aber nicht überheblich (außer dein Rollenspiel-Ansatz verlangt es). Besonders wichtig: Stelle dich vor deine Spieler! Bevor du einen Spieler der Presse zum Fraß vorwirfst, verteidige ihn lieber oder lenke die Diskussion auf den Schiri oder den Gegner. Ich persönlich riskiere lieber eine Strafe vom Verband, als dass ich zugebe, dass der Elfmeter für den Gegner berechtigt war …

Ferguson und Clattenburg

Nicht immer so einträchtig: Alex Ferguson und Schiedsrichter Clattenburg | Foto: Aodanbiswashughes [CC BY-SA 4.0]

Spielergespräche

In den Mannschaftsbesprechungen vor dem Spiel und in der Halbzeit solltest du deine Ansprachen immer im Kontext betrachten: Es ist ein Unterschied, ob man gegen einen haushohen Favoriten oder gegen einen Tabellen-Nachbarn zur Pause zurückliegt! Falls ein Spieler sich die „Hair dryer“-Ansprache verdient haben sollte, bekommt er sie auch – allerdings nicht in der Team-Besprechung nach dem Spiel, sondern in einem Vier-Augen-Gespräch ein oder zwei Tage später. Hat ein Spieler sich ein Sonderlob verdient, bekommt er es jedoch vor versammelter Mannschaft. Sparsamer dosiert wird hingegen öffentliches Lob – die Spieler sollen keinen Anlass haben, einen Gang zurückzuschalten …

Es gibt allerdings zwei Positionen, bei denen Sir Alex von diesen Prinzipien abweicht: Torhüter und Stürmer werden maximal leichter Kritik ausgesetzt, stattdessen wird das Selbstvertrauen dieser Spieler zu stärken versucht.

Obwohl ich wegen der Aufstiege meine Mannschaft vor jeder Saison nahezu umkrempeln musste (22 Neuzugänge in drei Saisons), werde ich von den Spielern in meinem Weg total unterstützt:

Mannschaftsgefüge FC United FM18

Auf Sieg spielen

Wie ich eingangs geschrieben habe, gibt es fußballerisch keine typische Ferguson-Signatur (außer, dass der Erfolg jederzeit an erster Stelle steht). Bei jedem einzelnen Spiel steht der Gedanke im Vordergrund, es gewinnen zu wollen.

Entsprechend achte ich nur begrenzt darauf, was der Gegner macht, sondern betone taktisch die Stärken meines Teams und versuche Schwachpunkte zu kompensieren. Meine einzigen selbstauferlegten Vorgaben: 4-4-1-1, möglichst direktes Spiel und dass die Mannschaft mehr als elf zusammengewürfelte Kicker sein soll. Alles andere ist variabel – was es auch für den Gegner nicht einfach macht, sich auf mich einzustellen.

Falls du dir Sorgen wegen der Eingespieltheit deiner Taktik machst: Bewerte diesen Faktor nicht über. Solange du ein einigermaßen solides Grundkonzept hast und nicht zu jedem Spiel eine komplett andere Taktik fährst, werden deine Spieler damit zurechtkommen. Eine gewisse taktische Stabilität ist wichtig, aber wenn du zu berechenbar wirst, hat dein Gegner leichtes Spiel.

3. Der Mitarbeiterstab

Ferguson und Queiroz

Ferguson und sein langjähriger Assistent, der spätere portugiesische Nationaltrainer Carlos Queiroz | Gordon Flood [CC BY 2.0]

Alex Ferguson weist in seinem Buch auf die Wichtigkeit hin, seinen Mitarbeitern und ihrem Können zu vertrauen und sie in die tägliche Arbeit einzubinden. Dabei bedauert er, dass es ihm nicht immer gelungen ist, seine Spieler nach der Karriere in die Vereinsarbeit zu integrieren.

Das ist für die meisten FM-Spieler nichts Neues: Man heuert die besten Mitarbeiter an, die zu finden sind. Falls du noch Planstellen frei hast oder keine Mitarbeiter findest, die dein Niveau erhöhen, schau alternativ nach Personal, das Fan von deinem Verein ist oder früher schon mal im Klub aktiv war. Auch solltest du deine älteren Spieler im Auge behalten: Vielleicht ist dort ein potentieller Kandidat für den Mitarbeiterstab vorhanden.

Dass die Weiterbildung des Personals dazugehört, dürfe klar sein. Wenn deine Assistenztrainer an Lehrgängen teilnehmen können, sollten sie das auch tun. Auch wenn du Gefahr läufst, sie irgendwann zu verlieren.

Wenn dein Co- oder ein Assistenztrainer auf einen Chefposten wechseln möchte, verbaue ihm die Chance nicht. Er wird es dir danken – und sollte er an der Aufgabe scheitern, kehrt er vielleicht als besserer Mitarbeiter wieder in deinen Trainerstab zurück. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben …

Auch wenn du der Chef bist, solltest du zumindest ab und an auf deine Mitarbeiter hören und ihnen Aufgaben zuweisen. Selbst wenn es (für dich) unwichtige sind wie z.B. Transfers bestätigen, Taktik-Briefings durchführen oder die Gegner-Anweisungen festlegen. Seit es das Mannschaftsgefüge im Football Manager gibt, stärkt das die Loyalität deiner Mitarbeiter zu dir. Beispielsweise lasse ich meinen Co-Trainer alle Taktik-Briefings machen und die gegnerischen Anweisungen festlegen. Während dieser mich schon zu seinem favorisierten Personal zählt, ist mein Verhältnis zu einem zeitgleich angestellten Assistenztrainer, der keine weiteren Aufgaben hat, immer noch unverändert.

4. Saisonvorbereitung und Training

In der Saison 2004/05 gewann Chelsea die Premier League mit 18 Punkten Vorsprung auf Manchester United. In der Folge analysierte Ferguson, was man an der Stamford Bridge anders gemacht hatte. Chelsea wirkte während der gesamten Saison fitter als der Rest der Liga. Fergusons Analyse erfolgte nicht etwa anhand von Leistungsdaten oder Statistiken, sondern er fing im wahrsten Sinne des Wortes am Anfang an: Er warf einen Blick auf die Vorbereitungsspiele von Chelsea. Dabei stellte er fest, dass Chelsea fast nur gegen gleichwertige Gegner gespielt hatte, während United fast nur gegen schwächere Mannschaften antrat.

Also änderte er den Spielplan der Vorbereitung und suchte sich vermehrt gleichwertige Gegner statt Mannschaften, gegen die „Fabien Barthez auch im Mittelfeld hätte auflaufen können“ (Zitat Fergie). Außerdem ließ er weniger Konditionstraining durchführen. Zwar wurde Chelsea auch in der nächsten Saison Meister, der Vorsprung war aber auf acht Punkte geschmolzen. In der darauffolgenden Saison holte wieder Manchester United den Titel.

In früheren Spielständen habe ich in der Vorbereitung stets das Hauptaugenmerk auf die Fitness gelegt und gegen möglichst schwache Teams gespielt. Für den FC-United-Save habe ich jedoch meine Vorgehensweise geändert: Da ich keine Nationalspieler abstelle, setze ich die Saisonvorbereitung auf eine Dauer von vier Wochen fest. Noch fehlt mir der Mut, es exakt wie Sir Alex anzugehen, daher suche ich mir für die erste Woche meistens sehr leichte Gegner, damit die Spieler wieder an den Trainings- und Spielbetrieb gewöhnt werden. In den Wochen zwei und drei werden dann Spiele gegen gleichwertige und stärkere Teams absolviert. In der letzten Woche geht es erneut gegen schwache Teams, um die Moral zu heben. Pro Woche absolviere ich zwei Spiele, der Schwerpunkt im Training liegt auf Teambuilding.

Manchester United Training

Giggs, Owen, Carrick & Co. trainieren unter den wachsamen Augen von Alex Ferguson | Foto: apasciuto [CC BY 2.0]

Training ist Chefsache

Seit seiner Zeit in Aberdeen beobachtete Alex Ferguson die Trainingseinheiten eher von außen anstatt sie selber zu leiten. Das ist im Football Manager schwer umsetzbar. Zwar kann man das Training komplett seinem Assistenten überlassen, jedoch fehlt mir da die Kontrolle. Was ich aber im Sinne von Sir Alex tue: jammernde Spieler ignorieren.

Anhand der medizinischen Abteilung kann man die Belastung der Spieler gut abschätzen. Dabei achte ich darauf, dass ein Spieler – sofern er nicht gerade frisch von einer Verletzung genesen ist – immer normal belastet ist, auch wenn er sich über eventuelle Sonderschichten beschwert.

Einzige Ausnahme: Bei einer schlechten Teammoral nehme ich die Beschwerden der Spieler ernst und streiche zusätzliches Training, um die Moral im Team nicht noch weiter zu drücken. Auch wenn sich ein Spieler über nicht zielführendes Training beklagt, nehme ich mir dies zu Herzen und ändere sein individuelles Trainingsziel auf etwas geeigneteres. Jammert der Spieler hingegen, weil er auf eine neue Position umgeschult werden soll, ignoriere ich dies: Ich bin der Boss und ich entscheide, wo ich den Spieler sehe – also habe ich auch die Entscheidungshoheit darüber, was und wie viel er trainiert!

5. Während des Spiels

Ferguson Coaching

Foto: Abhijit Tembhekar [CC BY 2.0]

„Jeder General muss wissen, wann der beste Augenblick für eine Attacke gekommen ist und wann man sich besser konservativ verhält.“
– Sir Alex Ferguson

Dies ist wohl einer der Standard-Ratschläge im FM: Achte auf das, was während des Spiels passiert! Die KI ändert während des Spiels und je nach Spielstand gerne ihren taktischen Ansatz. Sei also immer bereit, darauf zu reagieren. Es ist keine schlechte Idee, unterschiedliche Taktiken für Heim- und Auswärtsspiele zu haben und die Wahl deiner Taktik danach auszurichten, ob du Favorit oder Außenseiter für das nächste Spiel bist.

Dein taktischer Ansatz kann dabei grundsätzlich identisch bleiben – eine offensivere und eine defensivere Variante deiner Basis-Taktik wird dir im Laufe des Spiels sicher nützlich sein. Man wird immer in Situationen kommen, in denen man ein Tor braucht oder einen knappen Vorsprung über die Zeit retten muss. Sobald deine Stamm-Taktik funktioniert, solltest du dir also über deine taktische Flexibilität Gedanken machen. In meinem aktuellen Spielstand sieht das folgendermaßen aus:

Wie du siehst, gibt es keine so großen Unterschiede zwischen den drei Ansätzen – ich brauche nicht mal Spieler auszuwechseln. In der Offensiv-Variante setze ich etwas stärker auf Ballbesitz, um Ballverluste möglichst zu vermeiden. Schließlich muss mein Team den Ball haben, um Chancen herauszuarbeiten.

Mit diesen drei Taktiken bin ich innerhalb von zwei Saisons zweimal aufgestiegen und bin in der dritten Saison wieder Tabellenführer – auch, weil ich die Taktiken im Laufe des Spiels bei Bedarf anpasse: Baut mein Gegner das Spiel von hinten heraus auf, verordne ich „TW an kurzem Abspiel hindern“; rennen sich meine Spieler in der Mitte fest, gebe ich die Anweisung, das Spiel breiter zu machen, usw. Letztlich sind alle drei Taktiken, auch wenn es anders aussieht, ein 4-4-1-1 – nur jeweils unterschiedlich interpretiert.

6. Fazit / tldr;

Ferguson Statue

Achievement unlocked: Sir Alex‘ Statue vor dem Old Trafford | Foto: Seanpaune [CC BY-SA 3.0]

Viele FM-Spieler möchten eine bestimmte taktische Spielweise zur Vereinsphilosophie machen und richten alles danach aus (auch ich spiele den Football Manager meist so). Das Buch „Leading“ mit dem Football Manager zu verbinden und meinen Spielstand nach dem Vorbild von Sir Alex Ferguson zu gestalten, hat mir ein völlig neues Spielerlebnis beschert. Oft bin ich während des Lesens aufgesprungen, um den FM zu starten und Dinge auszuprobieren.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel den Fergie-Ansatz und seine Gedanken dahinter näherbringen konnte:

  • Junge Spieler aus der eigenen Akademie werden durch herausragende Talente von Außen ergänzt.
  • Um kurzfristige Planstellen zu besetzen, spielt das Alter keine Rolle.
  • Wer nicht mehr gut genug ist, muss gehen.
  • Auf Abgänge sollte man jederzeit vorbereitet sein.
  • Verträge von Schlüsselspielern sollten nicht gleichzeitig auslaufen.
  • Seinen Mitarbeitern muss man vertrauen können, daher sollten sie so kompetent wie möglich sein.
  • Spieler werden öffentlich in Schutz genommen.
  • Kritik wird in Vier-Augen-Gesprächen geäußert.
  • Stürmer und Torhüter werden höchtens leicht kritisiert, stattdessen das Selbstvertrauen gestärkt.
  • Trainigsbelastung und -inhalte stehen nicht zur Diskussion.
  • Aktives Coaching im Spiel und Anpassung der Taktik
  • Der Erfolg steht über allem!

Auf meinem Schreibtisch liegen noch eine Cruyff-Biografie und ein Buch über Lobanowski – Stoff für Fortsetzungen ist also vorhanden. Wie immer freue ich mich über deinen Kommentar, wenn du Fragen, Anmerkungen oder weitere Literatur-Empfehlungen hast. :-)

 

Idee und Konzept: 53bast1an
Redaktion: Tery Whenett

Titelbild: Composing aus „Old Trafford“ by مشاري محمد بن خنين [CC BY-SA 2.0] und „Alex Ferguson“ by Austin Osuide [CC BY 2.0]

17 Kommentare

  • Toller Artikel, man kann sich gut in Fergie hineinversetzen und seine Philosophie, Spielidee wäre ja zu kurz geschossen.
    Ich versuche mich in leicht abgeschwächter Form momentan an Huub Stevens „die Null muss stehen“ System um die 2000er, allerdings nicht im Ruhrgebiet, sondern beim AS Rom.
    Solche Ansätze geben dem FM dann noch einen gewissen zusätzlichen Reiz mMn.

    • Hey Leland,

      Vielen Dank für’s Feedback :) Huub Stevens ist auch einer meiner Trainer-Heroen, von daher finde ich deinen Ansatz doppelt interessant – und in Italien ist ja das Maue…ähm…der Defensiv-Fußball erfunden worden, deshalb ist das auch ne interessante Kombination.

      Ich wollte einfach herausfinden, ob man, abseits von der Taktik, Dinge aus dem realen Fußball in den FM „konvertieren“ und damit einen Save bestreiten könnte. Auch um mal zu testen, ob man im FM noch Erfolg haben kann, wenn man die Dinge anders tut, als man es gewohnt ist.

      Für deinen Stevens-Italien Save wünsche ich dir gutes Gelingen!

      Gruß
      53bast1an

  • Gefällt mir sehr gut.
    Freue mich auf Cruyff :D

  • Wenn du möchtest, können wir uns gerne mal über Steam darüber unterhalten ;) Ein gegenseitiger Austausch kann für beide Seiten Erfolg bringen und man lernt nie aus :D
    Am besten schreibst du mir eine PN über Meistertrainerforum, dort heiße ich auch Sascha1896!

    • Du kannst mich gerne auf meiner FB-Seite (Link weiter oben) anschreiben, da ich nicht im MTF vertreten bin :)

  • Ein wirklich guter Beitrag ;) Ich spiele LLM bin mittlerweile im Jahr 2023, doch mit dem Aufstieg in die Regionalliga will es nicht so richtig klappen, wir haben viel Pech und es kommt das Gefühl auf, der FM sei gegen dich. Nach Großbardorf 2017-2020 (8-4-4), SC Borussia Fulda aus der Hessenliga, ein Club der mir schon sehr ans Herz gewachsen ist. Mit wenig Mitteln ständig aufs Neue gute und junge Spieler gescoutet und ins Team integriert.
    Man muss dazu sagen, dass der Sportdirektor den Kader größtenteils zusammenstellt, wir fungieren sozusagen als eine Einheit. Die Spieler werden gescoutet, ich schlage ihm mein Wunschtransfer und evtl klappt es mit dem Transfer. Dadurch sind einige Spieler gekommen, die von mir durch Beobachtung der Scouts und Einschätzung meinerseits zum Club gewechselt sind, aber auch Spieler, die ich nicht kannte und vom Sporti eigenständig verpflichtet wurden. Mir macht der Save unheimlich viel Spaß, aber soviel Pech kann man schon manchmal nicht mehr haben, würde es ja alles gerne aufzählen, aber dann wäre der Beitrag zu lang.

    Toller Beitrag von dir, gerne mehr! Ich verfolge die Seite um Terry und Co schon sehr lange

    • Hallo Sascha,

      Ja, das Gefühl, vom FM „gedisst“ zu werden kenne ich ebenfalls zu Genüge, wenn wir beide da über unsere Erfahrungen schreiben würden, wäre wohl das Internet schnell voll :D Ich persönlich nutze den Sportdirektor eigentlich nur um das Scouting zu leiten und Neuzugänge zu bestätigen, deshalb sollte ich vllt auch mal überlegen, den mehr in meine Arbeit einzubinden.

      Danke für die freundlichen Worte und bei so viel positivem Feedback wird die Serie sicher bald fortgesetzt :)

      Grüße 53bast1an

  • ach ja, wie lautet Deine Seite?

    • So, lieber Rhinemike:

      Dies ist einmal der Link für meine Seite hier bei WordPress: https://53bast1an.wordpress.com/ und dann noch der zu meiner FB-Seite: https://www.facebook.com/53bast1an/

      Ist alles noch „im Bau“ (bin leider vollkommen ahnungslos in der Richtung) und sieht deshalb noch nicht so schick aus, aber das wird hoffentlich schon noch werden. Ich freue mich jedenfalls sehr über dein Interesse und hoffe, dass wir uns zukünftig mal wieder „lesen“ :)

  • Hahaha^^ wie geil. „Bruder im Geiste“. :D Das Buch „König und sein Spiel“ ist sehr „süffig“, es liest sich in zwei, drei Tagen weg. Konnte es kaum aus der Hand legen. Es wäre schon extrem reizvoll, vielleicht mit einem Verein, der gute Jugendeinrichtungen hat, so etwas, wie damals aufzubauen. Ich meine haushoch überlegen war Barca ja nicht. AC Milan, mit Sacchi´s 442 war ja doch ne Ecke stärker. Aber einfach ein Team, welches schön, schnell direkt und torreich spielt. Werde mir das nachher mal überlegen. Erst Recht, da mein FC aus Köln heute eher für Frust sorgt.^^ Ich bin gespannt auf den nächsten Artikel. Wird es der große alte Lobanowski, für den Seine Spieler „getötet hätten“?

  • Super!!! Gefällt mir sehr gut. Ist auch alles plausibel. Da ich mich als einen „Cruyffling“sehe und „König Johann“ für mich der ultimative Trainer war, würde mich mal ein Cruyff-Bericht wünschen. Ich bin mittlerweile 43 und habe noch das Barca unter ihm gesehen. Das war zwar buchstäblich „offen Holland“^^, aber der schönste Fußball, den ich bis heute gesehen habe. Ich teile seine Ansicht, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Mir gefiel vor allem dieses, entgegen Tiki-Taka, schnelle, schnörkellose Direktpass-Spiel unter Nutzung der gesamten Breite des Spielfeldes. Welche Biografie hast Du vorliegen. „Der König und sein Spiel“ habe ich auch gelesen. u.a. ! Cruyff ließ das Spiefeld im Camp Nou auf die größtmögliche Breite vergrößern. Er kontrollierte bei den Wingern, ob sie nach dem Spiel Kreide unter den Schuhen hatten, als Zeichen, dass sie außen „geklebt“ haben.^^ Ich behaupte aber, dass es höchst schwierig ist, so eine spielweise umzusetzen. Es bedarf da Spieler, die bei Teamwork, Passen, Ballannahme, Antizipation extrem gute Werte haben. Fällt da einer ein wenig ab, wird es wohl gefährlich. Mit barcaesquem 433 oder 343 ließ es sich in südamerika gut kicken. In Europa erst, wenn ich mich zu einem Topclub hochgearbeitet habe, der über das entsprechende Material verfügte.

    • Hallo Rhinemike,

      Auch Dir vielen Dank für den Input! Die Biografie, die ich vorliegen habe, ist tatsächlich „Der König und sein Spiel“, leider bin ich bisher noch nicht dazu gekommen, es lesen zu können: Der Fergie-Save hat zu viel Spaß gemacht :D Lustig ist, dass wir beide altersmäßig nahe beieinander sind (Ich bin 42), den FM spielen und Cruyff toll finden. Einen Cruyff-Artikel wird es – großes Ehrenwort! – definitiv auch geben, aber vorher ist noch ein anderer Trainer an der Reihe, dessen Name Dir möglicherweise noch eher was sagen wird, als den „jungen Menschen“ um uns herum ;)

      Grüße 53bast1an

  • Interessant das du hier über den FC United of Manchester schreibst. Ich habe vor ein paar Wochen auch angefangen, sie nach oben zu führen. Mittlerweile ist es schon fast unheimlich. Bin jetzt dreimal in Folge aufgestiegen und starte jetzt gerade in die vierte Saison. Der einzige Spieler der jetzt noch da ist, ist mein Keeper. Und der ist auch weiterhin Stammspieler. Mal schauen wie lange er noch mithalten kann, ich würde es ihm gönnen wenn er es schafft ein Premier League Spiel zu absolvieren.

    • Hi Philipp,
      danke für Deinen Kommentar – und Glückwunsch zu der Aufstiegsserie! :) Ich drücke die Daumen, dass es so weitergeht!

      Mittlerweile spiele ich nach fünf Aufstiegen in der Premier League. Den Keeper (Loyd Allinson?) habe ich nach der ersten Saison in der Championship ablösefrei ziehen lassen, da dann doch die Qualität irgendwann nicht mehr gereicht hat. Einen ausführlichen Bericht darüber, wie es mir bisher beim FC United ergangen ist, werde ich (hoffentlich) in den nächsten Tagen auf meiner eigenen Seite veröffentlichen. Den Link werden wir hier posten. Es würde mich freuen, wenn Du dort dann auch mal reinschauen würdest :)

      Grüße 53bast1an

      • Schaue ich mir gerne an. Ja genau Allinson, bis jetzt macht er sich auch in der League One noch sehr gut. Manchmal frage ich mich schon ob es nicht besser wäre, wenn ich mal nicht aufsteige. Aber ich werde es natürlich nicht absichtlich verhindern :-). Das Problem ist nur, dass das Umfeld zu langsam mitwächst. Geld ist auch nicht viel da, weil nach dem zweiten Aufstieg ja das Stadion ausgebaut werden musste. Und das Ansehen des Vereins ist teilweise auch noch geringer als das von Conference-Clubs.

    • Jaaaa :D Die Probleme kommen mir sehr bekannt vor: War bei mir exakt genau so. Bin viermal in Folge aufgestiegen und musste dann in der ersten Championship-Saison ziemlich kämpfen um die Klasse zu halten. Ohne Geld und ohne Ansehen Spieler zu finden war schon ne Herausforderung, aber ich hatte das Glück, einen Mutterverein zu haben, der auch stets exakt die Spielertypen im Angebot hatte, die ich brauchte, so war es dann nicht ganz so schwer. Und als ich dann in die Premier League aufgestiegen bin, war es mit den finanziellen Sorgen sowieso vorbei :D

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