Standard-Situationen im Football Manager

Bei den vielen Optionen, die man im Football Manager hat, wird ein taktisches Mittel oft stiefmütterlich behandelt – und das, obwohl es in manchem Spiel über Sieg oder Niederlage entscheiden könnte: Standard-Situationen.

In diesem Artikel will ich dir meine Herangehensweise bezüglich Standardsituationen näher bringen – und hoffe, dir auf diesen Bereich des Football Managers ein paar neue Blickwinkel zu eröffnen.

Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben können

Besonders für kleinere Teams können Standards eine echte Waffe sein, denn besser kontrollierbare Gelegenheiten für eine Torchance gibt es nicht.

Beispiel gefällig? Mein abstiegsbedrohter Coventry FC ist in diesem Spiel gegen Aufstiegsanwärter Burton beinahe komplett an die Wand gespielt worden:

Trotzdem konnte ich einen Punkt entführen – weil die Standards funktionierten:

Das ist der erste Streich …

… und der zweite folgt sogleich.

Wie immer werde ich dir hier keine fertigen Strategien präsentieren, die dir X Tore pro Saison garantieren (das wäre ohnehin nach dem nächsten Patch hinfällig). Stattdessen möchte ich dir Einblicke in meine Gedankengänge geben und die Prinzipien mit dir teilen, nach denen ich meine Standards einstelle.

Zu jedem ruhenden Ball gehört ein Spieler, der ihn wieder ins Rollen bringt. Lass uns damit anfangen:

1. Ausführer deiner Standards

Welchen Spieler ich zum Ausführen der jeweiligen Standardsituation einteile, ist in erster Linie abhängig von zwei Dingen: Dem jeweiligen Attribut (Eckstöße, Freistöße und Einwürfe) und dem starken Fuß des Spielers. Letzterer ist wichtig, um die Flugbahn des Balles zu bestimmen: Bei einer Ecke von rechts drehen sich die Bälle bei einem Rechtsfuß vom Tor weg und bei einem Linksfuß zum Tor hin (und umgekehrt). Auch Freistöße werden je nach Fuß und Seite unterschiedlich ausgeführt.

Wenn ich mehrere gute Schützen zur Auswahl habe, achte ich auch auf weitere Attribute wie Flanken, Übersicht, Antizipation, Technik etc. oder darauf, welcher der Kandidaten aufgrund seiner Torgefahr auch im Strafraum gut zu gebrauchen ist.

Falls im Kader keine Standard-Spezialisten vorhanden sind, prüfe ich nach, ob eventuell ein Spieler mit einer passenden bevorzugten Spielweise (z.B. Versucht langgezogene Freistöße) zur Verfügung steht. Auch platzierte oder harte Schüsse sind für Freistöße eine gute Option.

2. Eckstöße

Im Football Manager 2019 sind besonders die Eckstöße eine richtige Waffe. Dies liegt nicht nur an der Match-Engine, sondern auch an den arg verbesserungswürdigen Voreinstellungen:

Standardeinstellung für defensive Eckbälle im FM19. Da ist noch Luft nach oben.

 

2.1 Gegnerische Eckstöße verteidigen

Bei defensiven Ecken kann man die Aufgabengebiete grob in drei Bereiche unterteilen:

  1. Manndeckung: einen (bestimmten) Gegenspieler decken
  2. Raumdeckung: Zone am 5-Meter-Raum decken oder am Pfosten stehen
  3. Konter-Option bieten: vorne oder am Strafraumrand bleiben

Um Ecken vernünftig verteidigen zu können, ist es wichtig, dass du deinen Spielern Aufgaben zuteilst, die sie auch effektiv erledigen können: Deinen kleinsten oder kopfballschwächsten Spieler einen großen Spieler decken zu lassen, zieht möglicherweise das eine oder andere Problem nach sich …

Aufgabenverteilung bei defensiven Ecken

Mein Vorgehen bei der Aufgabenverteilung ist folgendermaßen:

  • Spieler, die defensiv nicht sonderlich stark sind, stelle ich an die beiden Pfosten. Wenn es Außenspieler sind, postiere ich sie auf ihrer Seite, damit der Weg zur angestammten Position nach der Ecke nicht so weit ist.

Vorsicht: In vorherigen FM-Versionen konnte man die Pfosten gefahrlos unbewacht lassen. Im Football Manager 2019 ist das nicht zu empfehlen!

  • Meine beiden Innenverteidiger setze ich zumeist auf große Spieler des Gegners an, falls sie kopfballstark genug sind. Andernfalls lasse ich sie normal decken.
  • Bei den Außenverteidigern entscheide ich je nach Attributen, mit welcher Aufgabe sie betraut werden. Sind sie eher physische Spieler, teile ich sie zum Manndecken ein, ansonsten stelle ich sie an die Ecken des 5m-Raumes.
  • Am Strafraumrand postiere ich gerne einen schnellen Spieler, damit ich bei Ballgewinnen oder Befreiungsschlägen eine Option für einen Konter habe.
  • Spieler mit gutem Spielverständnis stelle ich meist an den 5-Meter-Raum, ebenso kopfballstarke Stürmer. Letztere sind auch eine gute Wahl zum Decken von großen Spielern, falls die IV nicht stark genug in der Luft sind.

Vorne bleiben und Bei Ecken hinten dicht machen sind für mich keine Option, da ich meine Spieler am und im Strafraum brauche. Zurückziehen ist eine Alternative, wenn ich mir bei einem Spieler nicht ganz sicher bin. Damit steht der betreffende Spieler, salopp gesagt, dem Gegner wenigstens im Weg.

Ein weiteres Argument dafür, die vorhandenen Grundeinstellungen anzupassen: Eine Ecke kann schnell zu einer guten Konterchance werden.

Dieser Eckball ging nach hinten los …

 

2.2 Eigene Eckstöße

Auch bei offensiven Eckbällen kann man die Aufteilung grob in drei Kategorien einteilen:

  1. Absicherung gegen Konter
  2. Anspielstationen bieten
  3. für direkte Torgefahr sorgen

Extrem wichtig ist es, immer mindestens einen Spieler mit der Aufgabe Hinten bleiben zu betrauen. Im Idealfall sind das Spieler, die defensiv orientiert sind und gut antizipieren können. Damit können gegnerische Konter gut unterbunden und der Ball nach einem weiten Befreiungsschlag des Gegners schnell wieder in Ballbesitz genommen werden.

Gute Distanzschützen oder Passgeber lasse ich vom Strafraumrand angreifen, während  agile Dribbelkönige außerhalb lauern. (Wobei außerhalb nach meiner Erfahrung außerhalb des 5-Meter-Raums meint.)

An den kurzen Pfosten stelle ich einen meiner kopfballstärksten Spieler, um die Ecken zu verlängern. Am langen Pfosten steht meist ein kleinerer Spieler, der Abpraller verwerten soll. Weitere kopfballstarke Spieler lasse ich über den kurzen und langen Pfosten angreifen

Verfügt mein Kader neben einem guten Eckenschützen über einen weiteren guten Flankengeber, lasse ich diesen kurz kommen. Auch hier ist wieder der starke Fuß zu beachten.

Meine Lieblingsaufgabe bei eigenen Ecken ist jedoch Torwart bewachen, womit immer mein physisch stärkster Spieler betraut wird. Ein Keeper, dem Sicht und Bewegungsfreiheit versperrt werden, ist nicht mehr so effektiv.

3. Freistöße

Ich werde hier lediglich auf die direkten Freistöße eingehen. Die anderen Freistoßsituationen sind, wenn du dir sie nicht selbst erarbeiten möchtest, meist zu vernachlässigen, weshalb ich mich dazu nur kurz äußern werde.

3.2 Direkte Freistöße verteidigen

Mein schnellster oder ballsicherster Spieler darf vorne bleiben. Das eröffnet uns nicht nur eine Chance auf einen Gegenschlag, sondern bindet gleichzeitig meist zwei Gegner in dessen Hälfte.

Ähnlich wie bei den defensiven Ecken werden meine Innenverteidiger zur Manndeckung eingeteilt, während die Außenverteidiger mit zurück ziehen eher raumorientiert verteidigen. Die Mauer wird aus den restlichen Spielern gebildet und sollte niemals aus weniger als fünf Spielern bestehen.

3.3 Direkte Freistöße ausführen

Hier ist die Aufgabenverteilung ähnlich wie bei den eigenen Eckstößen:

  • Neben dem Ausführer sollte ein schussstarker oder passsicherer Spieler stehen, damit Optionen vorhanden sind, falls der Freistoß nicht direkt aufs Tor geschossen wird.
  • Ein physisch robuster Spieler soll mit der Aufgabe Mauer stören versuchen, eine Lücke für den Schuss aufzureißen.
  • Bis zu zwei defensive Spieler sollten hinten bleiben, um gegnerische Kontermöglichkeiten zu unterbinden.
  • Sind im Kader Spieler mit überragenden Antizipations- oder Abschlusswerten vorhanden, ist über den kurzen/langen Pfosten angreifen eine gute Option. Diese Spieler werden Möglichkeiten bekommen, Abpraller oder abgefälschte Schüsse zu verwerten.
  • Distanzschützen sollen vom Strafraumrand angreifen und dribbelstarke Spieler außerhalb lauern.
  • Die restlichen Spieler sollen nach vorne gehen und für Betrieb im gegnerischen Sechzehner sorgen.

3.4 Weitere Freistoßsituationen und Einwürfe

Wie die jeweiligen Aufgaben am besten besetzt werden, ist relativ selbsterklärend und folgt nach den gleichen Prinzipien wie oben: Spieler mit guten Defensivattributen sollten mit Deckungsaufgaben betraut werden, bei einem eigenen Freistoß aus der Tiefe kann es sinnvoll sein, diesen mit einem guten Flankengeber zu besetzen usw. Mit ein wenig Fußballverstand und Praxis im Football Manager wirst du schnell selbst herausfinden, wo und wie du die jeweiligen Situationen optimieren kannst.

4. Varianten einstudieren

Auch wenn es eine Menge Mikromanagement ist, solltest du für jede Situation mehrere Varianten erarbeiten. Deine Gegner durchschauen mit der Zeit deine Strategie, wodurch die Effizienz deiner Standards nachlässt. Je größer deine Trickkiste gefüllt ist, desto besser.

Wichtig zu wissen: Man kann zwar für jede Situation und jede Seite einen anderen Schützen wählen, es ist aber leider nicht möglich, dieselbe Situation von unterschiedlichen Spielern ausgeführen zu lassen. Einfach gesagt: Spieler X kann Ecken von rechts und Spieler Y Ecken von links treten – dass sie sich auf einer Seite abwechseln, geht jedoch nicht.

Unabhängig davon gibt es aber unzählige Variationsmöglichkeiten für deine Standardsituationen: Eine simple Variante wäre, einfach zwei Spieler zu tauschen. In Situation1 greift Spieler X über den kurzen und Spieler Y über den langen Pfosten an; in Situation 2 umgekehrt. Eine Vielzahl an Optionen tut sich auf, wenn du die Hereingaben in verschiedene Bereiche servieren lässt und den Spielern passend dazu jeweils andere Aufgaben zuteilst.

Deiner Kreativität sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Weiterführende Lektüre zur Inspiration: Zum FM18 haben sich Oliver Jensen und Keysi Rensie in lesenswerten Artikeln den Set-Pieces im Football Manager gewidmet.

Wenn du mehrere Varianten erstellt und gespeichert hast, greift deine Mannschaft automatisch auf den ganzen Fundus zurück und rotiert die einzelnen Situationen durch. Du musst also nicht für jedes Spiel oder gar vor jeder Situation eine andere Variante laden.

4.1 Vorsicht vor dem Spiel!

Besonders wenn du mit deinem Kader viel rotierst, solltest du vor jedem Spiel prüfen, wie sich die jeweilige Aufstellung auf deine Standards auswirkt. Hast du z.B. bei eigenen Ecken nur einen Mann hinten und der ist für dieses Spiel als Eckballschütze vorgesehen, solltest du dringend korrigierend eingreifen.

5. Anmerkungen zum Schluss

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein wenig Licht ins Standard-Dunkel bringen und dich motivieren konnte, in Zukunft ein wenig mehr an deinen Standards zu basteln. Oder tust du das schon mit großer Leidenschaft? Dann teil uns doch in den Kommentaren deine Vorgehensweise und deine Lieblingseinstellungen mit! Auch falls du Fragen, Kritik oder Anregungen hast: Immer her damit.

Ganz am Ende gilt mein Dank Keysi und Oliver für die Erlaubnis, mich an ihren Artikeln orientieren zu dürfen und insbesondere Oliver auch für seine technische Unterstützung!

3 Kommentare

  • Ich muss Dir leider in einem Punkt widersprechen. Ich habe beide Pfosten ungedeckt und bekomme bis jetzt so gut wie keine Gegentore durch Standards. Und wenn mal einer einschlägt, dann bei direkten Freistößen. Da wäre es sehr schön, wenn man wie im 17ner die Pfosten besetzen könnte. Das war sehr genial und hat Gegentore durch direkte Freistöße fast auf 0 reduziert.

    Sorry, aber hier habe ich mal eine andere Meinung.

    • Danke für deinen Kommentar und fürs Teilen deiner Beobachtung. 👍

    • Hallo Rosso,

      Für ne eigene Meinung brauchst du dich nicht entschuldigen ;) Ich habe die Beobachtung mit den unbesetzten Pfosten während der Beta gemacht und es seitdem nicht wieder versucht. Da SI in der Zwischenzeit einiges bei den Set-Pieces verändert haben, ist es also gut möglich, dass meine Behauptung da nicht mehr aktuell ist.

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