Mit Panama ins FM.Z Cup-Halbfinale

Beim FM.Z Cup 2018 mauserte sich Panama vom Running Gag zum Favoritenschreck. Trainer JimJay203 gibt hier einen Einblick in seine taktischen Überlegungen – und seine Reaktionen auf das Traumlos Panama:

Stell dir vor, du spielst einen Community-Cup im Football Manager mit allen Teams der WM 2018. Stell dir vor, die Teams werden zugelost. Und jetzt stell dir vor, du bekommst ausgerechnet das Team, von dem alle sagen: „Bitte nicht *insert unwanted Team*!“.

Was machst du? Meckern? … Klar! Rumheulen? … Ja, auch kurz! Die Auslosung anzweifeln und die Ethikkommission anrufen? … Auf jeden Fall!

Wird es was bringen? … Natürlich nicht!

Dir wird nichts anderes übrig bleiben, als dich mit deinem Team auseinanderzusetzen und das Beste daraus zu machen. Sonst ist das Turnier für dich vorbei, bevor es überhaupt richtig angefangen hat, und du landest mit drei Niederlagen und 0:9 Toren auf Platz 4. Oder schlimmer noch, du bist nach zwei Niederlagen und 0:8 Toren schon so gefrustet, dass du zum letzten Spiel nicht mal mehr antrittst.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie ich versucht habe, „das Beste“ aus meinem Los Panama rauszuholen:

Spieler kennenlernen

Im ersten Schritt sah ich mir das vorhandene Spielermaterial genau an. Ich stellte mir dabei folgende Fragen: Welches sind meine drei, vier Topspieler in der Mannschaft und was sind deren Stärken und Schwächen? Welche Spieler sind am besten für eine Unterstützen-Duty geeignet? Welche Spieler können verteidigen? Welche Spieler sind für den Angriff zu gebrauchen? Ich musste wissen, wer meine Säulen im Team sind, auf welche Spieler ich meine Taktik zuschneiden will und welche Taktiken überhaupt möglich sind. Mit Panama wird man kein Tiki-Taka spielen können, dafür haben die Spieler zu schlechte Werte für Ballannahme, Passen, Technik und Ohne Ball. Ich musste also genau hinsehen und herausfinden, was ich meinem Team zumuten konnte.

Taktische Marschroute

Gegen den Ball:

Aus dem ersten Schritt entwickelte sich direkt eine Idee. Meine oberste Prämisse sollte lauten: So lange wie möglich die Null halten. Dafür brauchte ich natürlich eine stabile Verteidigung. Mein bester Verteidiger, Topspieler Nummer 1, war Felipe Baloy.

Als ich Felipe gesehen habe, war mir sofort klar, ich möchte mit einem Libero spielen. Meine  Auswahl an Innenverteidigern war überschaubar, da stach Felipe mit seinen Fähigkeiten klar heraus. Anders als die anderen IVs war Felipe nicht nur in der Lage zu verteidigen, er hatte auch vernünftige mentale Werte und konnte dazu noch was am Ball.

Die wichtigsten Attribute für die beiden IVs, auf die ich bei so einer defensiven Taktik Wert lege, sind Stellungsspiel, Deckung, Kopfball und Sprungkraft. Wenn wir uns hinten reinstellen und auf Konter lauern wollen, müssen wir sicher stehen und die Bälle, die auf uns gefeuert werden, abwehren können. Wir können Flanken nicht komplett unterbinden (dafür sind unsere Außenverteidiger zu schwach), aber wir können sie zumindest wieder rausköpfen. Das war einer der Gründe, weshalb ich Felipe Baloy auf die Libero-Position gestellt habe. Er hätte auch einen guten IV oder sogar DM abgegeben – aber ich wollte im Defensivverbund immer drei kopfballstarke Spieler zentral vor meinem Torhüter haben. Aus der Abwehr herausrücken und den Angriff unterstützen konnte Felipe auch aus der Libero-Position heraus. Außerdem konnte ich mir sicher sein, dass er in der Rückwärtsbewegung rechtzeitig wieder hinter die Viererkette rückt, bevor die Flanken hereinsegeln.

Mit dem Ball:

In der Offensive hätte ich sehr gerne ein zwei richtig schnelle Spieler gehabt, um blitzartige Konter fahren zu können. Doch leider verfügt der panamaische Kader über diese Spielertypen nicht. Es gibt zwar ein paar schnellere Spieler, doch fehlt es denen in der Regel an Fähigkeiten wie Nervenstärke, Ballannahme, Dribbling und Balance, um den Ball in der Spitze oder auf den Außen festzumachen, bis das Mittelfeld nachgerückt ist. Oder um sich im Eins-gegen-eins durchzusetzen. Deswegen entschied ich mich für einen etwas anderen Weg: Ich stellte meinen zweiten Topspieler vorne rein, Luis Tejada.

Tejada ist groß, nervenstark und torgefährlich – aber langsam. Laut Co-Trainer ist seine beste Rolle die eines Zielspielers. Ich habe ihn jedoch als Defensivstürmer eingesetzt, da ich einen aggressiveren und tiefer stehenden Stürmer wollte. Einer, der den Ball halten kann, bis die Außen und das Mittelfeld nachgerückt sind, einfache Pässe auf kreativere Mitspieler spielt und sich dann selbst für den Torschuss in Position bringt.

Die Räume, die sich ergeben, wenn man einen Stürmer hat, der sich weit ins Mittelfeld fallen lässt, sollte der Raumdeuter vom linken Flügel aus bearbeiten. Zusammen mit einem etwas offensiveren Außenverteidiger und einem unterstützenden Ballerobernden Mittelfeldspieler wollte ich zusätzlich die linke Seite überladen. Über den Zurückgezogenen Spielmacher sollte das Spiel dann auf den rechten Flügel verlagert werden, wo unser dritter Topspieler Cooper die offenen Räume für Dribblings und Flanken nutzen sollte.

Die Taktik

Wir spielten also keine reine Kontertaktik. Die Formation und die Anweisungen waren darauf ausgelegt, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, und bei Gelegenheit den Abschluss zu suchen.

Als Mentalität wählte ich Konter, was zusammen mit den Teamanweisungen enger stehen, kurze Pässe und Ball halten diesen vorsichtigen und risikoarmen Fußball kreierte, den ich mir wünschte und der uns – tadaaaa – bis ins Halbfinale des FM.Z Cup gebracht hatte, nachdem wir uns in einer Gruppe mit Kroatien, Polen und der Schweiz als Gruppenerster durchsetzen konnten.

Mein Kader im Überblick:

Fazit

Während das drohende Los Panama bereits vor dem Turnier und während der Auslosung zum Running Gag wurde, hat Trainer JimJay daraus einen Favoritenschreck geformt. So musste sich auch der spätere Finalist Kroatien mit 1:0 geschlagen geben:

Selbst das Halbfinale war für die auf dem Papier überlegenen Franzosen kein Fußballfest: Erst in der 64. Minute fiel die Führung; die Treffer zum 2:0 und 3:0 gar erst in der Nachspielzeit.

Ein historischer Erfolg für Panama – der zeigt, dass im Football Manager alles möglich ist. Selbst dann, wenn man gegen andere menschliche Spieler spielt. Panama war sicher der Sympathieträger des Turniers und umso mehr freue ich mich, dass ihr Trainer JimJay203 mit dem Football Manager 2019 selbst FM-Content produzieren wird.

Zum Abschluss daher ein herzliches Dankeschön an JimJay für die Einblicke in seine taktischen Überlegungen – wer mehr von ihm sehen und hören möchte, wird in Kürze auf seinen Kanälen Twitter, YouTube und Twitch fündig.

Ein Kommentar

  • Keep It Simple Stupid!

    Erst einmal möchte ich Jimjay nochmals zu seiner Leistung gratulieren und mich anschließend auch für seine Einblicke bedanken :)

    Er ist es ideal angegangen: Schwächen und Stärken des eigenen Teams erkennen, letztere betonen und erstere verringern. Meiner Meinung nach war neben der Dynamik („Structured“) ein großes Plus seiner Taktik, dass er sein Team weder mit vielen Anweisungen „überfordert“ hat und die Anweisungen die Mentatlität („Counter“) sinnvoll(!) ergänzt haben.

    Für mich persönlich war interessant zu bemerken, dass es durchaus Parallelen zwischen seiner Herangehensweise und meiner gibt und der Umstand, dass ich es vielleicht auch mal mit einer asymmetrischen Taktik versuchen sollte. In dem Bereich habe ich jedenfalls Nachholbedarf.

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