Rashidi: Der FM ist ein einfaches Spiel

Es gibt richtig viele gute Football Manager-Blogs da draußen – die meisten in englischer Sprache. In dieser 14-tägigen Serie möchte ich euch einige dieser FM-Schreiber vorstellen, indem ich sie selbst zu Wort kommen lasse.

Rashidi gehört zu den Urgesteinen des SI-Forums und ist einer der Veteranen, der sein Wissen mit einer Vielzahl anderer Football Manager teilt. Dies ist der vorläufig letzte Teil der Interview-Serie, die mit seinem langjährigen Weggefährten Cleon begonnen hat, und so schließt sich hier in gewisser Weise eine Klammer.

 

Hi, bitte stelle dich und dein Projekt doch kurz vor:

Mein Name ist Daljit; im Forum heiße ich aber rashidi1 als Tribut an den späten großartigen Rashidi Yekini. Ich bin Teil der SI-Forum-Community seit 2003, glaube ich, und moderiere dort fast genauso lange, wenn ich mich recht entsinne.

In Bezug auf den Football Manager habe ich einige Projekte: Ich engagiere mich bei der laufenden Entwicklung des FM und helfe im Forum aus, gebe meinen Senf zur Entwicklung der Match Engine und habe meine eigene FM-Website names addictedtofm.com (Sehr originell der Name! Hahaha!) und habe sogar einen YouTube-Kanal namens BusttheNet gestartet. Wie ich das alles schaffe, weiß ich nicht – mag sein, dass es die Grundlage für meine zweite Scheidung legt.

Ich liebe das Spiel Fußball, mein Arbeitsleben zwischen 20 und 30 habe ich zum Großteil in der internationalen Fußballrundfunk-Branche verbracht, sodass meine FM-Projekte wirklich eine kleine Liebesaffäre waren. Mein Leben mit dem FM verdient ein Buch und eines Tages werde ich es schreiben. Es wird mit umwerfend komischen Anekdoten angefüllt sein, wie als sich einmal ein ganzes Studio voll mit „Fußballexperten“ zu mir umdrehte und sich wunderte, wieso ein dürrer Liverpooler namens Steven Gerrard der nächste Liverpool-Kapitän werden sollte … Da war er gerade mal fünf Minuten auf dem Feld bei seinem Debüt 1998 gegen Blackburn. „Er wird der nächste Liverpool-Kapitän … eine Legende bahnt sich an! Wer wettet dagegen?“ Unnötig zu erwähnen, dass die Informationen aus der FM-Datenbank mir finanziell öfter geholfen haben, als man sich vorstellen kann. Letzlich ist es die Liebe zum Spiel, die mich immer wieder hat zurückkommen lassen.

 

Wann hast du mit dem Football Manager angefangen?

Das ging irgendwann nach der Uni los; ich denke um 1992, als ich in Urlaub war und schlussendlich vor einem Rechner landete und den Championship Manager (Vorläufer des FM) spielte. Es versteht sich von selbst, dass ich auf dieser Reise sehr viel Geld gespart habe, dadurch dass ich vier Nächte nur im Hotelzimmer geblieben bin. Es war ein magisches Spiel für mich; es gab nur dem Kommentar-Modus damals und ich war gefesselt von diesem Spiel aus Schiebereglern, Nummern und blinkendem Text. Heute gäbe es eine Epilepsie-Warnung.

 

Zeit anzugeben: Was war dein außergewöhnlichster Erfolg im FM?

Ich weiß nicht mehr, für welchen FM ich Scramjet gemacht habe, aber diese Taktik hat mir die Aufmerksamkeit einer Zeitungskolumne beschert. Aus Geldnot und um den Beweis anzutreten, dass Zocken profitabel sein kann, habe ich eine Review an die lokale Zeitung geschickt in der Hoffnung, dass sie mich als Journalist nehmen.

Die Headline lautete: „Real Madrid 0:8 Bolton Wanderers … IST ES ZU FASSEN?“ Von dem Tag an bekam ich 500 Dollar für jedes Spiel, das ich rezensiert habe. Der FM hat mir meinen ersten Schreibauftrag verschafft – und er wurde bezahlt! Unglücklicherweise lehnte meine Frau Gaming als tragfähige Karriere ab und diese Meinungsverschiedenheit endete in einem unversöhnlichen Bruch, der schließlich im Scheidungsprozess zitiert wurde.

Also in Bezug auf echte Erfolge: Ich hab einen Job bekommen und eine Frau verloren! Im Football Manager selbst bin ich aktuell 300 Spiele ungeschlagen mit West Brom, mit größtenteils einer einzigen Taktik. Das sollte als in-game Erfolg zählen.

 

Welchen Aspekt des Spiels magst du am meisten?

Als ich 1992 angefangen habe, war das der Transfermarkt; als ich älter wurde war es die Match Engine und sie zu bezwingen wurde zu einer Besessenheit – und keiner gesunden, würde ich sagen.

Heute konzentriere ich mich mehr auf das Langzeit-Spiel. Eine Mannschaft zu übernehmen und den Weg zu finden, wie man sie am besten gemäß der eigenen langfristigen Ziele entwickelt – dieser Teil des Spiels macht mir ohne Zweifel am meisten Spaß.

 

Was ist dein Lieblingsattribut und warum?

Ballannahme. Wenn man den Ball nicht sofort kontrollieren kann, bekommt man Probleme, wenn man ein komplexes System schaffen will, das auf hohes Pressing und schnelles Passspiel aufbaut. Ballannahme ist das eine Attribut, auf das ich mich im Training konzentriere, sodass mein allgemeines Training kaum angepasst ist.

Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig das Attribut für unsere Art Fußball zu spielen ist. Tatsächlich hat mich bei meinem aktuellen Spielstand mit Geylang International FC, einem Verein aus Singapur, die mangelhafte Ballannahme meiner Spieler dazu gezwungen, ein paar frühe taktische Anpassungen vorzunehmen.

 

Was war das Inspirierendste, das Du in letzter Zeit über den FM gelesen oder gesehen hast?

Das muss ohne Zweifel die kürzlich von Sports Interactive gestartete Seite „We are the Managers“ sein. Man schaue sich nur an, was Chris Darwen geschafft hat, indem er nach Spanien gezogen ist. Meine neue Frau (es hat mich zehn Jahre gekostet, sie zu finden; zum Glück bedurfte es keiner FM-Klausel im Ehevertrag) hat mich dazu angestachelt, meinen Job zu kündigen und etwas zu tun, was mir wirklich Freude macht und da hat mich das wirklich inspiriert. Es kam zur perfekten Zeit.

Also falls du das noch nicht gesehen hast, solltest du es dir wirklich, wirklich ansehen.

 

Wie du vielleicht weißt (oder auch nicht), darf der Football Manager in Deutschland weder verkauft noch beworben werden. Dennoch wächst die Community hier stetig, was uns zu einer Nation von FM-Anfängern macht (auch wenn es ein paar Veteranen gibt). Hast du einen Rat für jemanden, der komplett neu im Football Manager ist?

Wenn du neu beim Football Manager bist, nimm dir Zeit und spiel zuerst den FM Touch. Er streicht die Teamführung (sprich: Einzelgespräche etc.) aus der Gleichung und erlaubt es dir, das Spiel viel schneller zu verstehen. Du kannst taktische Änderungen vornehmen ohne dir um die Eingespieltheit Sorgen zu machen.

Eine andere Sache ist, dass du dich selbst organisieren solltest. Das Spiel ist nicht schwierig, aber es kann frustrierend sein und die schiere Informationsfülle kann viele Leute abschrecken. Folge einfach diesen Schritten:

  1. Nutze eine Taktik, die du gut kennst und verstehst.
  2. Studiere deine Mannschaft und schau, wer wo spielen kann.
  3. Scoute nach den Spielern, die in deinem System fehlen.
  4. Spiel das Spiel und halte Team- und Spieleranweisungen einfach bis du dich auskennst und dann erhöhe die Schwierigkeit, indem du mehr Anpassungen vornimmst.

Das ist es – halte es einfach. Finde eine Website, die du magst, auf der die Informationen so einfach wie möglich dargestellt werden und halte dich danach. Ganz ehrlich: Das Spiel ist so einfach, dass du eine einzige Taktik bis in alle Ewigkeit benutzen kannst. Jeder der behauptet, dass man eine Heim- und eine Auswärtstaktik braucht, weiß nicht genug über die Engine. Du solltest nicht auf ihre Ratschläge hören. Das mag brutal klingen, aber es gibt viele Leute, die richtig schlechte Tipps geben.

Wenn du dein System verstehst und seine Schwächen kennst, wirst du im Spiel wissen, ob du Änderungen vornehmen musst. Letzlich wird es um die Anpassung von Spielerrollen oder Teamanweisungen gehen – um mehr geht es nicht.

Braucht man eine Heim- und eine Auswärtstaktik? Nein. Muss man wissen, welche Spieler welche Rollen ausfüllen können? Ja. Das ist alles, was du brauchst – dann leg los und genieß das Spiel.

Gerade neulich habe ich ein Thread im Forum gelesen, wo sich jemand beschwerte, dass seine Innenverteidiger zu leicht aus der Abwehr gelockt würden und er gab dann die Schuld der Match Engine. In neun von zehn Fällen widerlegen das entweder Cleon oder ich, indem wir aufzeigen, dass das Problem nicht beim Innenverteidiger liegt, sondern an der Taktik allgemein und den ausgewählten Spielern.

 

Hier ist die Bonus-Frage von Guido, der dich nominiert hat: Welche neue Feature würdest du gerne im FM16 sehen?

Die Tatsache, dass ich für 300 Spiele ungeschlagen bleiben kann, ist ein Problem. Ich würde mich freuen, wenn die KI in Zukunft deutlich schwieriger zu schlagen wäre. Das bedeutet, dass die KI deutlich cleverer werden muss, was Spielerentwicklung, Transfers und Taktik betrifft und die Entscheidungen diesbezüglich sollten direkt an die Ziele und Ambitionen der verantwortlichen KI-Trainer geknüpft sein. Ich habe zwar meine Zweifel, dass diese Änderungen jemals kommen werden, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Danke vielmals für deine Zeit! :)

 

Daljit aka Rashidi bloggt auf addictedtofm.com und twittert unter @bustthenet.

 

Dieses Interview war das letzte dieser Serie. Das heißt nicht, dass es keine Interviews mehr geben wird; aber zumindest nicht in der bisherigen Regelmäßigkeit. Wenn Du jemanden hast, den ich unbedingt interviewen sollte, dann lass es mich gerne in den Kommentaren wissen – ich kümmer mich dann drum :)

7 Kommentare

  • „Match Engine geschlagen“, „Jeder der behauptet, dass man eine Heim- und eine Auswärtstaktik braucht, weiß nicht genug über die Engine.“ „300 Spiele ungeschlagen“.

    Das ist der Grund, warum ich mir nichts wirklich von Rashidi durchlese. Nicht prinzipiell wegen der Heim- Auswärtsgeschichte, sondern allgemein. Dass das nicht gewollt ist, sieht man daran, dass — auch wenn er praktisch jedes Spiel gleich angeht, die Welt um ihn herum hoch dynamisch agiert. KI-Manager Brechstangen auspacken, von Anfang an auf maximum Unentschieden spielen, bevorzugte Formationen für Defensive und Offensive haben, etc. Klingt brutal, aber ein brauchbarer Stresstest für KI und Engine für SI sollte er trotzdem sein — er hat praktisch das Unmögliche getan und sogar den Zufall besiegt — irgendein glücklicher Sieg sollte für die KI immer drin sein, und wenn es nur ein abgefälschtes Schüsschen ist. ;-)

    • Du würdest also sagen, dass er das Spiel zu gut spielt bzw es von den Entwicklern gar nicht gedacht ist, dass man dieses Spiel so gut spielen sollte? Oder denkst du er nutzt Fehler in der Spielmechanik aus? Sozusagen als Exploits? Kann man davon bei diesem Spiel überhaupt reden?

      • Leute wie er oder Cleon (der übrigens die UEFA B-Lizenz besitzt) haben nicht nur ein großes Wissen, was den Fußball an sich betrifft, sondern durch ihre jahrelange Nähe zu SI auch ganz andere Einblicke in die Match Engine (bis runter zu den Attributen) als unsereins.

        Das heißt nicht, dass er Fehler exploitet – es trifft halt nur eine große Vertrautheit mit dem Spiel auf großes Fachwissen. That’s it. Dass sich das nicht eins zu eins auf uns Normalsterbliche übertragen lässt ist klar – aber den ein oder anderen Kniff und Ratschlag kann man allemal mitnehmen.

      • Genau das hätte ich eben auch gesagt. Denke nicht, dass man bis auf wenige Ausnahmen von Exploits oder so etwas reden kann. Wenn man ein Spiel wie FM sehr gut kann, kann sich das ja nur darin äußern, dass die Mannschaft nahezu perfekt eingestellt ist und man eben so gut wie alle Spiele gewinnt. Rashidi wird, wie auch wir alle, unglückliche Gegentore bekommen. Er kompensiert das eben, indem er dafür zwei extra schießen lässt… Deswegen denke ich aber auch nicht, dass das nicht gewollt ist. Im Gegenteil. Dadurch das am Ende klare Zahlen und Berechnungen für den Verlauf des Spiels verantwortlich sind wird ein wirkliches „Verstehen“ des Spiels erst möglich. (Korrigiert mich wenn ich falsch liege, aber ich habe bisher noch nie gelesen, dass irgendetwas auf dem Platz zufällig bestimmt wird.) Und, wenn ich Rashidis Blog bisher richtige lese, bricht er extrem viel auf einen einfachen Vergleich von Zahlen herunter. Mein Flügelspieler hat 18 Pace. Der ihr Flügelspieler hat 14 Pace. Mein Flügelspieler wird ihm überlegen sein. (Vereinfachtes Beispiel) Reale Trainer würden sich freuen, wenn sie auf ihre Spieler klicken könnten und an bunten Zahlen und Pfeilen direkt sehen könnten was Sache ist…

        Wie, wenn nicht an den Erfolgen der Mannschaft, sollte den ein guter vom schlechten Spieler unterschieden werden können? An dieser Stelle finde ich es eher bemerkenswert, dass Spieler wie Rashidi noch Lust auf das Spiel haben. Aber gut… Das Spiel birgt genug Herausforderungen. Singapour zum Beispiel.

      • Ja, sehe ich ganz genauso. Eine Einschränkung: den Zufall gibt es auch im FM – der Ball landet ja nicht an der Latte, weil der Spieler zu wenig Abschluss hat, sondern weil es im Bereich des Möglichen liegt. Ich vermute, dass es einfach eine Bandbreite von möglichen Ausgängen einer Aktion gibt, bei der die Höhe der relevanten Attribute die WAHRSCHEINLICHKEIT eines erfolgreichen Ausgangs bestimmen. Dennoch wird am Ende gewürfelt.

        Da – wie an vielen anderen Stellen – sind sich der FM und der reale Fußball sehr ähnlich: im Prinzip geht es nur um die Minimierung des Zufalls.

        Und selbst bei Attributen ist ist ein direkter Vergleich nicht immer so einfach: selbst wenn der Gegner 4 Punkte schneller ist, kann er das dann aber immer abrufen, wenn mein Spieler dafür 6 Punkte mehr Ausdauer hat? Was ist mit Einsatzfreude? Etc pp. In die Zusammenhänge haben Rashidi und Co tiefere Einblicke als wir.

  • Deine Seite ist absolut super und ich stöbere ab und an mal hier rum, aber das aller beste bislang waren diese Interviews. Enorm interessant, sehr lesenswert übersetzt und inspirierend. Sie haben mich jetzt auch auf zahlreiche Blogs geführt, die ich nicht oder nicht gut kannte. Danke für deine Arbeit! :)

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