Stop it! Quicktipp zur Spielanalyse

Football Manager 2016: Analyse

Das Problem scheint unüberwindlich: Die Taktik ist (nach besten Wissen und Gewissen) sinnvoll zusammengestellt, die Spieler füllen ihre Rollen (theoretisch) gut aus – im Spiel läuft aber trotzdem nichts zusammen oder zumindest nicht alles. Doofe Gegentore, unerklärliche Aussetzer des (eigentlich) bärenstarken Innenverteidigers … was ist da nur los?

Viele Spieler eröffnen an dieser Stelle gleich einen Hilfe-Thread im Taktikforum (im Idealfall mit Screenshots), woraufhin sich eine kleine oder größere Zahl hilfsbereiter Mit-Manager die Mühe macht, die Taktik zu zerlegen und Tipps zu geben. So weit, so freundlich. Ich sehe da allerdings zwei Schwierigkeiten:

  1. Jeder spielt das Spiel anders; jeder hat andere „Muster“, die er in seinen Taktiken verfolgt.
  2. Das Problem hinter dem Problem bleibt unbehandelt: Die Fähigkeit, die Fehler und Schwächen der Taktik selbst zu erkennen.

Diese Fähigkeit kann man sich antrainieren und der beste Freund dazu ist: die Leertaste. Der Football Manager bringt die wichtigsten Bestandteile eines Analysetools mit sich, nämlich ein Pauseknopf und eine Zeitleiste, auf der man bequem zu bestimmten Szenen des Spiels springen kann.

Fragen über Fragen

Deshalb hier der total simple Tipp: Pausiere das laufende Spiel und schaue, was auf dem Platz passiert (idealerweise in einer hohen Kamera oder 2D): Wo stehen die gegnerischen Außenverteidiger? Gehen sie mit nach vorne oder bleiben sie tief? Was machen die Außen: Ziehen sie nach innen oder versuchen sie auf die Grundlinie zu kommen? Wie ist das zentrale Mittelfeld angeordnet?

Wenn du in Ballbesitz bist, könnten mögliche Fragen lauten: Wo sind die Anspielstationen? Ist der Angriff durch sichere Anspielstationen abgesichert oder führt ein Ballverlust unweigerlich zum Konter?

Lass das Spiel ein paar Augenblicke weiterlaufen und versuche die Entwicklung nachzuvollziehen: Warum wurde ein Fehlpass gespielt? Gab es keine gute Anspielstation? War der Pass zu ambitioniert? Hat der Gegner den Ballführenden isoliert? Etc.

FM16 Analyse

Die Vogelperspektive verräts: Die Dortmunder Außenverteidiger schieben weit nach vorne, die Außenstürmer ziehen nach innen.

Wieso wurdest du ausgekontert? In welchem Raum? Wer sollte ihn eigentlich verteidigen? Oftmals sind scheinbar offensichtliche Fehler (z.B.: Innenverteidiger rückt zu früh raus) die Konsequenz aus einer Fehlerkette: der ZMa operiert weit vorne, der BeM verlässt ebenfalls die Position, sodass der Sechser versucht die Lücke zu füllen und nach vorne rückt. Wird er überspielt, bleibt als Absicherung nur der Innenverteidiger, der im 1-gegen-1 dann dumm aussieht und deshalb leicht die Schuld in die Stollenschuhe geschoben bekommt. Cleon hat das auf seinem Blog ausführlich dargestellt.

Deshalb ist es wichtig zu wissen, was auch abseits des Balles passiert und wie die Spieler im Idealfall agieren sollten bzw. was das Team benötigt. Treten Probleme öfter auf, muss die Balance der Mannschaft verändert werden – oft genügt es, eine einzige Spielerrolle anzupassen.

Wie konkrete Probleme behoben werden, steht jedoch auf einem anderen Blatt – wichtig ist aber, die Probleme wahrzunehmen und die Ursache zu finden. Mit der Zeit entwickelst du so ein Auge für das Spiel (und damit meine ich sowohl den Football Manager als auch Fußball an sich) und manche Fragen werden sich früher oder später unbewusst während des laufenden Spieles beantworten. Alles, was es dazu benötigt, ist Übung. Und die Leertaste.

 

Der Taktiktisch hat sich ebenfalls mit Fehleranalyse beschäftigt und eine Methode vorgestellt, die einen Lösungsansatz gleich mitliefert. Hier geht’s zum Artikel: „Wie erkenne ich, wenn was falsch läuft?“

Jetzt bist du dran.

Wie gehst du die Spielanalyse an? Welche Tipps hast du für uns? Lass es uns in dem Kommentaren wissen! Ebenso, wenn du Fragen hast oder sonstwas loswerden willst. Wie immer: Ich freue mich drauf :-)

9 Kommentare

  • Als erstes fällt mir ein, dass ich Tery noch ne Abhandlung über die Abseitsfalle „schulde“ ^^

    Bei der Spielanalyse gehe ich ähnlich wie du vor, zusätzlich nutze ich noch einige der Analysetools (z.B. das Wärmebild, anhand dessen ich nachvollziehen kann, in welchen Bereichen des Spielfeldes sich die Spieler aufhalten).
    Wenn ich eine neue Taktik ausprobiere/installieren will, beginne ich damit schon in der Vorbereitung auf eine Saison. Ich spiele dann generell nur gegen viel schwächere Teams und achte während des Spiels darauf, wie sich die Spieler in ihren Rollen in verschiedenen Situationen verhalten. Wenn sich wiederholte Lücken auftun, vergleiche ich die Situationen und gucke nach dem Fehler und ändere dann beispielsweise die Rolle oder die Duty von ein oder zwei Spielern (z.B. aus einem BBM einen ZMu machen) und beobachte dann,wie sich die Änderungen auswirken (Positionierung, Laufwege u.ä.).
    Nicht außer Acht lassen darf man allerdings auch nicht die Form bzw Moral eines Spielers: ein Spieler mit einer schlechteren Moral neigt – unabhängig von seinen Attributen – eher zu Fehlern, als jemand, der gut drauf ist. Außerdem achten meiner Meinung nach zu viele „Manager“darauf, dass ein einzelner Spieler in seiner idealen Rolle spielt und nicht darauf, ob die jeweilige Rolle bei der gewählten Formation,Mentalität und Fluidität Sinn macht. Abgesehen davon muss man auch darauf achten, dass die Rollen zueinander „passen“: man kann mit nem Abräumer und nem BEMv nebeneinander spielen, allerdings sollten dann auch die Bedingungen bzw Rahmenbedingungen (siehe oben) stimmen

    • Danke für den Überblick über dein Analyse-Verhalten. Vor allem den Punkt „ob die jeweilige Rolle bei der gewählten Formation, Mentalität und Fluidität Sinn macht“ kann ich voll unterstreichen. Die Rollen sind m.E. (ich wiederhole mich da gerne) der wichtigste Punkt in einer Taktik. Wenn alles andere gut eingestellt ist, aber die Rollen nicht – dann taugt die Taktik meistens nichts mehr. Oder, positiv: Wenn man weiß, wie man die Rollen kombiniert, dann kann man auch aus einer mittelmäßigen Taktik was brauchbares machen.

      • Jein :D Die Duty der jeweiligen Rolle wird aber auch gerne unterschätzt – zumindest hab ich bei vielen Taktikdiskussionen den Eindruck. Viele User lassen die Duty z.B. oft auf „automatisch“, dabei kann dort oft schon die Wurzel des Problems liegen.

        Passt vllt nicht hierher, aber mir kam gerade die Frage in den Sinn, ob eine „automatisch“-Duty bei einer hochfluiden Dynamik nicht die perfekte Wahl wäre?! Gibt’s da Ideen, Meinungen o.ä. zu?

      • Passt wirklich nicht hierher ;-)

        Die Frage ist, ob „automatisch“ dem Spieler Entscheidungsfreiheit gibt oder – und das ist mein Stand – ob sich die tatsächlich ausgeführte Duty einfach nach der Mentalität richtet. In letzerem Fall würde die Wahl von „automatisch“ überhaupt nur dann Sinn machen, wenn man seine Mannschaft im Spiel nur über die Veränderung der Mentalität coacht und dadurch eine automatisierte Anpassung haben will. Ansonsten sagt man meiner Meinung nach dem Spieler besser direkt, was man von ihm sehen will.

  • Hi Tery,
    Schöner Quicktipp, den hast du mir vor längerer Zeit mal so mitgeteilt, da war ich noch überrascht ob der Einfachheit, hilft aber tatsächlich gut :D
    Bei meiner Spielanalyse verfahre ich bei neuen Taktikten meistens so, dass ich mir bereits im Vorfeld die Positionen/Duties/TI’s/etc. meiner Taktik heraussuche, wo ich Fehlerpotential vermute. Die beobachte ich dann verstärkt. D.h. Rollen, die ich noch nie verwendet habe, stehen dann erst mal weiter oben auf der Prioritätenliste. Oder Rollen, die mit einem „Berufsrisiko“ verbunden sind, wie z.B. der ZS, der ja häufiger lange Bälle bedingt, werden genau darauf geprüft. Das heißt, bevor ich eine Taktik also ins Feintuning schicke, versuche ich erst mal, den Rahmen zu stecken. Im Optimalfall geschieht das in der Saisonvorbereitung, wo ich zuerst nur gegen deutlich schwächere Gegner antrete, um die Formation a) einzuspielen und b) taktische Aspekte in den Vordergrund stellen kann, ohne auf etwaige Rückstände oder dergleichen reagieren zu müssen. Erst später geht es gegen stärkere Gegner, wo dann auch auf nicht offensichtliche Schwächen eingegangen wird.
    Der Nachteil daran ist, dass der Entstehungsprozess einer Taktik oftmals ein langwieriger Prozess ist, verbunden mit viel Lehrgeld und auch durchaus noch während der Saison der eine oder andere Versuch „ins Blaue“ unternommen wird. Aber auf diese Art (vielleicht bilde ich mir das auch nur ein^^) werde ich flexibler und weniger berechenbar, zudem sorgt das für Realismus und Spielspaß, da ja auch die echten Trainer ihre Taktikten immer wieder anpassen und optimieren.

    Zu dem Thema mit der Automatisch-Duty:
    Mein letzter Stand war auch, dass sie sich je nach Mentalität der Mannschaft bei dem Spieler verschiebt. Würde auch Sinn ergeben, da es die Duty ja nur für Rollen gibt, die Angreifen, Unterstützen und Verteidigen beherrschen. Läge es im Ermessen des Spielers, könnte ein BeM sicherlich auch auf eigene Faust zwischen V und U wechseln, je nachdem, wie dringlich der Ball früh erobert werden muss. Letzteres ist zumindest meine Vermutung…

    Grüße,
    Thomas

    • Hallo Thomas,

      danke für deinen Kommentar. Deine freundliche Aufnahme dieses Tipps damals war wohl ein Grundstein für den Artikel. Sonst wäre ich sicher darauf gekommen, dass das hilfreich ist :)

      Deine Vorhergehensweise beim Erstellen einer Taktik gefällt mir. Klingt sehr vernünftig und durchdacht. Dass es – wie du schreibst – dazu nur realistisch ist, macht es umso sympathischer.

      Ich muss leider gestehen, dass ich Testspiele grundsätzlich dem Co-Trainer überlasse; ich will immer möglichst schnell mit der Saison anfangen … Vielleicht gehe ich das im FM16 mal nach deinem Muster an.

      Grüße Tery

  • Was mir auffällt: wir drei (Bayernfahne, Tery und meine Wenigkeit) haben ähnliche Ansätze, aber doch auch einige Unterschiede in der Herangehensweise, besonders was die „Schwerpunkte“ angeht. Deshalb – ich wiederhole mich – finde ich solche Blogs extrem nützlich: die helfen nämlich über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen und regen nämlich einerseits dazu an – zumindest geht es mir so – auch mal was neues auszuprobieren und andererseits kann man da oft den einen oder anderen nützlichen Tipp abgreifen.

  • Nachtrag: Danke für die Hinweise zur „Automatik“-Duty. Ich habe mich damit nie weiter befasst, deshalb meine (möglicherweise) irrwitzige Idee, ob diese Duty bei ’ner extrem dynamischen Fluidität Sinn machen könnte.

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