Neue Position, neues Glück

Immer wieder kommt es vor, dass man einen bestimmten Spielertypen braucht und diesen nicht findet. Starke Außenverteidiger oder vernünftige Linksfüße sind eine beliebte Baustelle. Gerade für Topklubs ist die Auswahl an möglichen Spielern überschaubar. Sollen sie erschwinglich sein, umso mehr. Und nicht immer hat man Zeit ein junges Talent über mehrere Jahre aufzubauen. Was also tun?

In der Spielersuche gebe ich üblicherweise die gesuchte Position, das maximale Alter und ein paar wenige Schlüsselattribute ein. Die Ergebnisliste wird vorsortiert, gescoutet und dann festgestellt: der einzige vernünftige Kandidat ist gerade erst zu Real Madrid gewechselt. Hmpf.

Scouting_FM15

Business as usual: Position, Alter, Attribute.

Das Schöne am Football Manager ist, dass er in manchen Bereichen der Wirklichkeit sehr nahe kommt. Die Sache mit der Position ist so eine. Jeder Spieler hat für jede Position einen bestimmten Wert, der bestimmt, wie gut der Spieler auf dieser Position agieren kann. Lewandowski ist Stürmer, Hummels Innenverteidiger und Schweinsteiger ordnen wir ganz klar als offensiven Außenspieler ein … Warte! Was?! Vor acht Jahren wäre man an dem Satz nicht hängen geblieben – aber Schweinsteiger hat in der Zwischenzeit seine Position gewechselt und niemand würde mehr auf die Idee kommen, ihn als Flügelspieler einzusetzen. Viel zu langsam!

Spieler auf neuen Positionen einzusetzen ist eine exzellente Möglichkeit, das eigene Beuteschema deutlich zu erweitern. Darüber hinaus findet man plötzlich für Spieler einen Nutzen, die zwar sehr talentiert, aber in entscheidenden Bereichen unbrauchbar sind. Auf anderen Positionen fällt diese Schwäche vielleicht nicht so ins Gewicht – und der Spieler erlebt wie Schweinsteiger einen Aufstieg in ungeahnte Höhen.

Mein persönlicher Fipsi

João ist ein Innenverteidiger, wie man ihn sich nur wünschen kann: starke Kopfballtechnik, zweikampfstark, spielstark, robust, wendig und schnell – ein moderner Typus und so komplett wie man es sich nur wünschen kann. Problem: Der Kerl ist gefühlt einen Meter zu klein und bekommt seinen Kopf fast nie an den Ball. Das macht er zwar durch seine anderen Fähigkeiten wett und die übrigen Verteidiger kompensieren das durch ihre Höhe – dennoch ist das eine Schwäche in einem wichtigen Bereich, die man bedenken sollte.

João - zu klein für die Innenverteidigung; im Mittelfeld aber ein ganz Großer.

João – zu klein für die Innenverteidigung, im Mittelfeld aber ein ganz Großer.

Als mein CMd sich in einem wichtigen Spiel ein, zwei haarsträubende Fehler leistete, die das Ausscheiden in der Champions League bedeuteten, war ich auf der Suche nach Alternativen. Alle möglichen Neuverpflichtungen spielten entweder bei der Konkurrenz oder bei mir. Was tun?

Ich schaute mir die Werte einiger meiner Spieler noch mal genau an. João besaß alle Fähigkeiten, um auch im Mittelfeld zu bestehen. Ich mache es kurz: Es war eine Offenbarung! Auf der neuen Position kamen seine technischen Fähigkeiten voll zum Tragen, seine Beidfüßigkeit und Beweglichkeit erhöhten die Ballsicherheit in der Zentrale und dazu brachte er alle Fähigkeiten eines ausgewiesenen Defensivspezialisten mit. Mein persönlicher Philipp Lahm, wenn man so will.

Auch der ehemalige CMd hat eine neue Anstellung gefunden: Er durfte von nun an auf Außen als DWs ran – hier kann er seine defensiven wie offensiven Stärken einbringen und gleichzeitig richtet sein fehlender Mut (dem ich die Fehler zuschrieb) dort nicht allzu viel Schaden an.

Mehr Vor- als Nachteile

Viele fürchten einen negativen Effekt, wenn man (mehrere) Spieler positionsfremd einsetzt. Natürlich ist es besser, wenn die Positionswertung möglichst grün ist – aber: die Spieler gewöhnen sich relativ schnell an die neue Rolle (abhängig vom versteckten Attribut Vielseitigkeit). Neben dem individuellen Training auf die neue Position sind v.a. Einsätze dort entscheidend, damit sich das Positionsrating verbessert. Das wichtigste bleibt aber: solange die Attribute für deine Zwecke gut geeignet sind, ist alles im grünen Bereich.

Auch bei der Suche nach Neuzugängen ist die Vorgehensweise hilfreich. Anstatt nach Positionen filtere ich ausschließlich nach Attributen – und zwar ziemlich vielen und ziemlich genau. So bekomme ich auch keine Ergebnisse von Spielern, die zwar nominell die gesuchte Position bekleiden können, aber ein ganz anderer Spielertypus sind als der, den ich gesucht habe.

Wer nach kreativen und offensivstarken Wingbacks sucht, wird wenig finden – durch das Weglassen der Position jedoch bietet sich eine breite Palette an geeigneten Offensivspielern, die von ihrem Glück noch nichts wissen.

Noch einen weiteren Vorteil hat die Umschulerei: Die alte Position behält der Spieler natürlich bei – in Verletzungsfällen hast du ihn so nach wie vor in der Hinterhand. Flexibilität im Kader ist nie schlecht. Wobei: Die ist ja ohnehin gewährleitet – immerhin kann jeder Spieler überall spielen …

 

Fazit/tldr;

Eine schlechte Positionswertung heißt nur, dass ein Spieler dort noch nicht viel gespielt hat. Ob er diese Position spielen kann, entscheiden seine Attribute.

Cleon zeigt in seinem Beitrag „Meet the Deep Lying Forward“ eindrucksvoll, was gezieltes Umtrainieren bewirken kann.

20 Kommentare

  • Hätte da eine Frage zu. Lerne gerade auch zwei Spieler um. Und sie spielten von Anfang an ohne Probleme dort. Hatte immer gedacht die schlechte Positionswertung hätte psychologische Auswirkungen, weil er sich auf der Position noch nicht wohl fühlt Und deswegen schlechtere Leistungen bringt. Aber anscheinend spielt das keine rolle. Demnach wäre eine schlechte Wertung uninteressant und könnte ignoriert werden. Wozu dient sie dann und warum dann umlernen im Training, irgendwann wird sie schon grün mit genügend Praxis. Die Trainings Zeit könnte man anders besser nutzen.

    • Ich habe dieselbe Erfahrung gemacht.

      Einzig das Attribut Entscheidungen soll auf fremden Positionen (je fremder desto stärker) beeinträchtigt sein. Das habe ich mal irgendwo aufgeschnappt, kann aber nicht sagen, ob das (noch) stimmt.

  • Habe jetzt längere Zeit die Statistiken der umzulernenden Spieler, sowie subjektiv deren Verhalten auf dem Platz beobachtet. Aber selbst bei den nicht so tollen Spielern des VFB konnte ich da überhaupt keine Auffälligkeiten feststellen. Sie machen weder mehr Fehlpässe oder der gleichen, noch ist im Vergleich zum benachbarten „Spezialisten“ ein anderes Verhalten festzustellen. Auch psychologisch ist im Spiel nichts zu erkennen.
    Kann also beim besten Willen kein Haar in der Suppe finden ;-)

    • Danke fürs Teilen deiner Ergebnisse – ein besseres Fazit gibt es nicht. :) Mittlerweile bin ich sogar so weit, dass ich gar nicht mehr jede Position doppelt besetze (wenn mein Verein nicht international spielt) – es kann ja jeder alles spielen.
      Gerade schießt mich auch ein defensiver Mittelfeldspieler, den ich als falsche Neun ablösefrei geholt habe, zum Aufstieg – er hat bessere Werte als alle Stürmer der letzten sechs Jahre, die ich auf der Position eingesetzt habe.

      • Mach ich beim VfB gerade genau so. Nur ist es bei mir ein IV mit genug Potenzial und der fungiert als Zielspieler. Funktioniert super.

  • Vielleicht habt Ihr eine Erklärung.

    Obwohl ich meine MZ komplett als VR umgeschult habe (heller grüner Punkt) scheint die Schulung trotzdem noch nicht abgeschlossen zu sein, obwohl er schon seit über 5 Jahren als VR als Stammspieler spielt.
    (Siehe Screenshots.)

    Leider verliert er wieder seinen hellgrünen Punkt wenn ich ihn dies z. B. ein 1/2 Jahr nicht Positionstraining trainieren lasse.
    Dann wird es zum dunkelgrünen Punkt.

    Zudem hat Umschulung scheinbar das Problem, das 50 % der Trainingszeit mit Positionsschulung verbracht wird, wo er sich effektiver auf andere Dinge konzentrieren könnte.

    So richtig gut für einen 100 % ige Entwicklung des Spielers scheint das nicht zu sein… :o

    Wie seht Ihr das und hattet Ihr ähnliche Erfahrung gemacht???

    • Soweit ich weiß, wird es nicht schlechter als dunkelgrün, wenn er einmal das Niveau hat. Ich kenne die Werte hinter der Haube nicht, aber wenn hellgrün = 20 ist und dunkelgrün = 17-19, dann würde ich das Training frei machen. Wie grün das ist, wäre mir an der Stelle egal.

      Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass die Spieler keine neuen Positionen auf [i]natural[/i] erlernen können, wenn das Training wegfällt. Aber da die Unterschiede zwischen hell- und dunkelgrün wie gesagt marginal sind, ist das nur eine Designentscheidung und kein Nachteil für dich.

      Die Logik dahinter ist, dass der Spieler sich eben auf einer/zwei Positionen zu Hause fühlt und alles andere dann nur dazu kommt. Philipp Lahm wird auch – trotz Weltklasseleistungen – kein natural DM/ZM sein, da er einfach 85% seiner Karriere in der Außenverteidigung verbracht hat. Das tut seinen Leistungen im Mittelfeld aber keinen Abbruch.

  • Ist das nicht die falsche Überschrift? Umschulung/Positionstraining/Individualtraining käme bei dem Beitrag eher hin?

    Ansonsten ist die Ausführung wie von dir gewohnt gut erklärt und auf den Punkt gebracht.

  • Eine Frage: hat sich dahingehend mit dem FM16 was verändert? Hat da schon jemand Erfahrungen gemacht?

  • Hi,

    hab nochmal ne Frage zum FM2017. Ich hab ein echtes Problem mit der Belastung der Coaches. Das Board erlaubt mir nur 9 First Team Coaches. Ich bekomme nicht mal die Option nach mehr zu fragen obwohl alle Coach slots belegt sind. In 2015 konnte ich viieeeel mehr coaches problemlose beschäftigen für die erste Manschaft und die Trainingsbelastung reduzieren.

    Ist das bei euch auch so?

    Phelan

    • Ob ich mehr Trainer anstellen konnte, weiß ich gar nicht. Aber wenn du von den neun Leuten ein oder zwei allen Trainingskategorien zuweist, sollte die Auslastung doch auf niedrig sein, oder?

      • Hi Tery,

        prinzipiell hast Du recht, aber insgesamt wird die Trainingsqualität dadurch schlechter, da alle jetzt zwei verschiedene Kategorien trainieren müssen. Die Sternebewertungen für die Coaches werden dann reduziert.

        In 2015 hatte ich immer einen sehr guten coach für jede Trainingskategorie und dazu jeweils einen mittelmäßigen um die Belastung zu reduzieren. Das hat da sehr gut funktioniert.

        Grüße, Norman

      • Funktioniert das nicht mehr, dass einer nur noch eine Kategorie trainiert (für die Sterne) und einer mehrere (für Sie Auslastung)?

        Mit neun Trainern sollte man da doch super hinkommen oder reden wir gerade aneinander vorbei? :)

  • Naja es sind exakt 9 Trainingskategorien, so dass ich auf jeder nur einen habe.

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