Der Regisseur von Cannes – Saisonfinale 2018/19

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Wohin geht die Reise in Cannes? Sind in diesem Frühling die Filmfestspiele der einzige Grund an der Côte d‘Azur zu feiern – oder gibt der Klassenerhalt des AS Cannes einen weiteren? Greifen die taktischen Änderungen zum Saisonendspurt oder musste erneut kurz vor knapp alles über den Haufen geworfen werden? Die Zeichen deuten auf ein packendes Saisonfinale in unserer Football Manager Story

Was bisher geschah: Einleitung | Saison 2017/18 | Saison 2018/19: Teil 1, Teil 2

Coupe de France

Beginnen wir mit einem Nachtrag: Im letzten Teil habe ich den Coupe de France vergessen. Das lag vielleicht auch daran, dass es nichts zu erzählen gibt – außer, dass wir vorzeitig ausgeschieden sind und die vom Vorstand erwartete Zielsetzung deutlich verfehlt haben. Eingestiegen sind wir wieder in der fünften Runde des Pokals. Als erstes bekamen wir es mit dem RC Grasse zu tun, die auf der selben Ligaebene in der Gruppe B spielen. Knapp konnten wir uns in der Verlängerung durchsetzen. In der nächsten Runde war dann aber Schluss: Marignane Gignac FC, letztes Jahr von der vierten in die fünfte Liga abgestiegen, hatte den Lucky Punch in der erneuten Verlängerung auf seiner Seite. Le Chef Johan Micoud war not amused. Somit war früh klar, dass ich mir keine weitere Enttäuschung leisten durfte. Der Klassenhalt muss unbedingt her …

Championnat de France Amateur – Group C

Wir hatten nach der letzten Niederlage gegen FC Chambly-Thelle gerade zwei Wochen Zeit, um die Taktikänderung in die Tat umzusetzen und den Spielern so gut wie möglich zu vermitteln. Dass es dann direkt gegen den Tabellenführer ging, machte die Sache nicht wirklich besser. Dementsprechend nervös war ich als es endlich losging. Es war kein gutes Spiel, die zweite Mannschaft von LOSC Lille hat uns ganz schön den Schneid abgekauft und uns in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Wir konnten über die ganzen 90 Minuten nicht mal für eine Handvoll Chancen sorgen. Trotzdem, einer der seltenen Entlastungsangriffe brachte uns einen Elfmeter ein, den Grandemange sicher verwandeln konnte – unser Held des Tages.

Wie gesagt, nach vorne ging nicht viel, dafür standen wir hinten endlich mal wieder so sicher wie in der Vorsaison. Quasi Handball um unseren Sechzehner ohne dass Lille wirklich gefährlich werden konnte. Wir hatten hier das Glück auf unserer Seite, doch davon brauchen wir noch mehr. Auch wenn es ein wichtiger Sieg war, hat er uns noch nicht ausreichend Luft nach unten verschafft. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.

Im nächsten Spiel trafen wir mit Les Genêts d‘Anglet auf einen direkten Konkurrenten. Vor dem Anpfiff war ich sehr nerös. Es folgte ein offener Schlagabtausch, den wir erst in der dritten Minute der Nachspielzeit für uns entscheiden konnten. Attohoun sorgte für einen riesigen moralischen Schub als er quasi mit dem Abpfiff das 3:2 erzielte. Zwar haben wir zwei Gegentreffer kassiert (es ging für den Gegner ja auch um viel), aber das Spiel hat mir gezeigt, in welche Richtung es gehen soll. Die Taktik und die Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe, scheinen zu greifen.

Klassenerhalt?

Durch die Ergebnisse auf den anderen Plätzen hatten wir die Chance, bereits gegen den FC Bastia-Borgo für den Klassenerhalt zu sorgen. Nachdem die Konkurrenz zeitgleich erneut die Punkte liegen gelassen hatte, sorgte unser 1:0-Sieg für große Freude auf den Rängen.

Der Klassenerhalt war damit schneller gesichert als ich mir erhofft hätte. Das Ergebnis war zwar knapp, der Spielverlauf allerdings nicht. Alles lief so zusammen, wie ich mir das vorgestellt habe. Gerade defensiv kann ich das mit diesem kleinen Bild aufzeigen:

Heatmap TaktikEs sieht vielleicht etwas komisch aus – aber durch die nach innen ziehenden Außenverteidiger (3,2) können wir das Spiel sehr gut und eng verteidigen. Trotzdem sind wir in den ganzen Spielen über auch über die Außen viel weniger anfällig geworden. Aus dem ballerobernden defensiven Mittelfeldspieler habe ich einen tiefen Sechser (6) gemacht. Diese Rolle sorgt dafür, dass sowohl der Sechser wie der Außenverteidiger quasi gleichzeitig bei gegnerischen Angriffen auf die Außen ziehen und parat sind. Der gegenüberliegende Außenverteidiger agiert in dem Fall als dritter Innenverteidiger, was die Strafraumverteidigung verbessert, falls doch mal eine Flanke durchkommt. So hatten wir immer eine Art von Überzahlsituation in der Verteidigung.

Während so fünf Mann die defensive Absicherung besorgen, sorgen in der Offensive die restlichen fünf Mann für Alarm. Wieder auf unsere Flügelspieler zu setzen, war eine der besten Ideen. In der Offensive sind wir jetzt sehr flexibel und immer anspielbar. Wie gesagt, das greift alles sehr gut ineinander. Die Rollen sind alle gleichgeblieben, nur im Sturm ändere ich je nach Spielsituation etwas. Mal tiefstehender, mal auf einer Höhe mit dem letzten Verteidiger, um im richtigen Moment die Abseitsfalle auszuhebeln.

Saisonabsch(l)uss

Aber kommen wir zu den restlichen Spielen, welche die Spieler vom großen Druck befreit genießen konnten. Und das taten sie. Wir konnten auch die restlichen vier Spiele allesamt gewinnen. Damit haben wir im Saisonendspurt von 21 möglichen Punkten tatsächlich 21 geholt! Nicht auszudenken, was die Änderung zur Winterpause für uns noch bedeutet hätte …

Durch diesen fulminanten Endspurt steigen wir in der Tabelle auf und beenden die Saison auf einem richtig guten 8. Platz. Gerade durch die Siegesserie war es am Ende aber auch frustrierend, dass ich so lange an der engen Raute festgehalten habe. Klar, man weiß es nicht, aber vielleicht hätten wir damit zwölf Punkte mehr locker erreicht. Aber ich kann froh sein kann, überhaupt etwas geändert und die Saison auf diese Weise beendet zu haben. Das macht auf jeden Fall Mut für die neue Spielzeit. Es ist also möglich!

Leistungsnachweis

Hier ein kleiner Überblick über das, was die einzelnen Spieler über die Saison geleistet haben. Herauszuheben sind hier insbesondere:

  • Paul Grandemange, der mit seinen 17 Saisontreffern gleichzeitig Torschützenkönig in der Liga wurde.
  • Mickael Darnet, der auf den Flügeln zu alter Stärke zurückfand und mit seinen Vorlagen zum Saisonende mit für diesen grandiosen Lauf sorgte.
  • Schließlich Momar Bangoura, der von den Anlagen her vermutlich unser komplettester Spieler ist und auf der Sechs so einiges weggeputzt hat

 

Dem findigen Leser wird aufgefallen sein, dass auch der ein oder andere Spieler vom Saisonstart nicht mehr dabei ist. Verlassen hat uns keiner, nach der Winterpause haben aber Ibouroi, Gattier, Gambor und Lopez-Peralta ihren Platz in der Reserve gefunden. Während gerade die beiden erstgenannten eigentlich das Zeug für die erste Mannschaft hätten, macht es aber bei ihrer Verletzungsanfälligkeit keinen Sinn, weiter auf sie zu setzen. Den beiden letzteren spreche ich momentan das Talent dazu ab. Mal sehen ob uns diese Spieler im Sommer verlassen werden.

Ausblick auf die nächste Saison

Es stehen bereits drei Neuverpflichtungen für die neue Saison fest:

  • Ryad Nadifi kommt von Cannet-Rocheville ablösefrei zu uns. Der rechte Mittelfeldspieler ist mit seinen 22 Jahren als Backup für Darnet vorgesehen.
  • Omar Djabour, war zuletzt vereinslos. Der 19 jährige linke Mittelfeldspieler ist ein großes Talent, physisch sehr stark, hat aber große technische Defizite. Ihn versuche ich langfristig als Backup für Lenzini aufzubauen. Kurzfristig suche ich noch nach gleichwertigerem Ersatz.
  • Ein vierter Mann kommt für den Sturm: Von Gallia Lucciana kommt der 21 Jahre junge Stürmer Marc‘Andria Teurlay. Er bringt viel Talent mit und hat das Zeug, direkt Stammspieler neben Grandemange zu werden.

Dazu wird aus der Jugend noch Nachwuchsstürmer Paul Magne seine ersten Gehversuche in der ersten Mannschaft machen können. Der Junge soll eine große Zukunft haben. In etwa wie Clement Clement, der bereits mit seinem 16. Geburtstag in die Erste beordert wurde und vor allem durch seine Schnelligkeit den alternden Cerielo schon fast ersetzt hat.

Wir halten natürlich weiterhin unsere Augen auf. Bis auf den linken Mittelfeldspieler wird aber weniger nach Backup wie nach wirklich Alternativen für unser Stammpersonal gesucht. Es ist kein Muss, aber ich möchte es auch nicht ausschließen.

An der Taktik werden wir nach der erfolgreichen Serie natürlich festhalten, in der Hoffnung dass die neue Saison so beginnt wie die alte aufgehört hat. Es wird zur neuen Saison jedoch eine weitere Änderung geben, um die Fitness der Spieler zu gewährleisten. Ab November sieht der Spielplan vor, dass fast nur noch alle zwei Wochen der Ligabetrieb stattfindet. Je nach Fortschritt im Pokal, sind die langen Pausen nicht gerade förderlich. Deshalb werden wir in der neuen Saison mehrere Testspiele absolvieren, um die Spielpraxis hoch zu halten.

Fazit

Nach dem der Leidensdruck groß genug war, um mich zur taktischen Umstellung zu bewegen, schlug diese ein wie eine Bombe: 21 von 21 möglichen Punkten im Saisonendspurt, Platz 8 in der Abschlusstabelle – in Cannes wird nicht nur auf den Filmfestspielen gefeiert.

Der Rückendwind für die neue Saison ist groß, die ersten Neuzugänge stehen ebenfalls fest. Wenn wir es schaffen, unsere Form und Euphorie in die neue Saison zu retten, dürfte der Aufstieg nur über unser Team gehen.

Aber das liegt alles noch in der Zukunft – ich werde berichten …

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