Der Regisseur von Cannes – Saison 2018/19 II

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Nach einem soliden Start in die Saison 2018/19 muss Commondore die gute Form konservieren. Die Liga ist eng – nach oben wie nach unten ist alles möglich. Entsprechend turbulent verlaufen die Spiele …

Was bisher geschah: Einleitung | Saison 2017/18 | Saison 2018/19: Teil 1

Championnat de France Amateur – Group C

Willkommen im Abstiegskampf

Den größten Teil der Saison (d.h. 23 von 30 Spiele) haben wir nun hinter uns. Was soll ich sagen? Als Aufsteiger geht es einzig und allein darum, in der Liga zu bleiben – und genau darum kämpfen wir im Moment. Zwar gab es auch Licht, vor allem aber viel Schatten. Für größere Ambitionen reicht es noch nicht. Von unser sehr stabilen Defensivleistung aus dem Vorjahr ist leider nicht viel übrig geblieben, was dem Systemwechsel geschuldet sein mag. Obwohl die Saison nicht nach Wunsch verläuft, habe ich bislang an der Formation und dem System festgehalten. Die Hoffnung, dass es doch noch irgendwann Klick macht, hat sich leider nicht erfüllt – daher soll eine Taktikumstellung im Saisonendspurt helfen. Dazu aber später mehr.

Schauen wir uns die Ergebnisse in der Liga an:

Von 45 möglichen Punkten konnten wir gerade mal 16 Punkte einfahren, dazu hauptsächlich auf eigenem Platz. Ich möchte nicht sagen, dass wir uns grundsätzlich schlecht präsentiert haben, aber es hat immer irgendwo gedrückt. Zudem haben verschiedene Sachen einfach nicht funktioniert. Unsere beiden Flügelspieler Lenzini und Darnet, die in der Vorsaison noch die Außen beackert haben, kommen in der Zentrale überhaupt nicht zurecht und wirken sehr deplaziert. Das Flügelspiel, das einzig auf den Außenverteidigern ruht, lahmt auch sehr – vor allem fehlt es unseren Stammkräften dort an der nötigen Spritzigkeit, was sich bis in die Innenverteidigung durchzieht. Die Entscheidung, dass durch Spielintelligenz in Sachen Stellungsspiel und technischen Fähigkeiten auszugleichen, hat sich bisher als falsch erwiesen. Und wenn es hinten nicht läuft, wird es vorne auch schwierig – und unser Spiel kam immer mehr ins Stocken.

Endzeitstimmung und Hoffnungsschimmer

Es ist nicht so, dass ich mir dieser Schwachpunkte nicht schnell bewusst geworden bin. Mein Wunsch, meinen vor der Saison ausgetüftelten Plan durchziehen, wurde durch die Siege, die wir eingefahren haben, bestärkt – auch wenn die allgemeine Tendenz abwärts zeigte. Man hängt ja doch an seinen Ideen und will nicht gleich alles über den Haufen werfen …

Ein gutes Beispiel dafür ist die 0:5-Klatsche gegen Tabellenschlusslicht Arras FA. Endzeitstimmung pur. Wenn man sich aber das Spiel davor (3:1 über AS Possy) und danach (3:0 gegen RC Lens B) ansieht, gibt das dem Wunsch, dass der eigene Plan doch noch aufgeht, genug Nahrung, um erstmal weiterzumachen. Ein Fehler? Vielleicht.

Verletzungen – und kein Umdenken

Dazu kam dieses ewige Verletztungspech im Sturm. Nur Grandemange war dauerhaft fit; Attohoun, Gattier und Ibouroi waren in einer Tour verletzt – und standen, kaum dass sie wieder laufen konnten, angeschlagen auf dem Platz. Bei der Stürmersuche in der Vorbereitung war die Verletzungsanfälligkeit ein Thema; dennoch hofft man ja, dass man immer zumindest zwei topfitte Stürmer verfügbar hat. Auch diese Hoffnung hat sich zerschlagen.

Selbst mit dieser Verletztenmisere habe ich immer an der Taktik festgehalten. Wenn man so darüber nachdenkt, war ich da zu verbissen und verkrampft …

Abstiegskampf

Die Quittung dafür: sieben Spieltage vor dem Saisonende liegen wir fünf Punkte vor den Abstiegsrängen. Die Moral der Mannschaft könnte auch besser sein, sodass ich mich gezwungen sehe, doch noch eine taktische Umstellung vorzunehmen, um die Saison nicht mit einer bösen Überraschung enden zu lassen.

Problemlösungsversuche

Neuzugänge

Es ist aber nicht so, dass ich nur tatenlos zugesehen hätte, wie wir ins Verderben rennen: Im November haben wir uns mit Gary Delannoy, einem weiteren Stürmer, verstärkt. Der 24-jährige ist sehr ballsicher und bringt die nötige Physis mit und hat sich sehr schnell neben Grandemange festgespielt.

In der Vorbereitung hatten wir den Marokkaner Youssef Hidasse bei uns im Probetraining zu Gast. Damals hatten wir noch von einer Verpflichtung abgesehen. Da unsere junge Garde um Gambor und Le Gal nicht ganz funktionierte, sind wir hier nochmal aktiv geworden. Bislang war das eine der besseren Entscheidungen in dieser Saison. Hidasse ist zwar kein Spielmacher der spektakulären Sorte, liefert aber seine Leistung ab. Das ist in unserer Situation nicht zwingend schlechter.

Baptiste Gainnet (25) bringt die bislang fehlende Geschwindigkeit in die Innenverteidigung ein und ergänzt sich prima mit dem Sommerneuzugang Genga. Er ist bereits jetzt eine feste Stütze geworden.

Zu guter Letzt gibt es noch Nicolas Pelloux: Der 20 Jahre junge Torhüter sollte eine sofortige Verstärkung und einer für die Zukunft sein. Besser als unsere vorherige Nummer 1 Montay ist er – allerdings ist seine Entwicklung besorgniserregend: statt von der Spielpraxis zu profitieren, verschlechterten sich erstmal seine Attribute. Hier hoffe ich bis zum Ende der Saison noch auf eine Trendwende.

Taktik für den Rest der Saison

Auch wenn es keine komplette Neuausrichtung wird (das wäre mir zu riskant), ändern wir für die letzten Saisonspiele unsere Marschroute:

Ich möchte wieder mehr auf Lenzini und Darnet auf außen bauen. Am Anfang hatte ich meine Bedenken, dass wir dadurch in der Mitte zu anfällig werden, aber erste Tests haben mich diesbezüglich beruhigt. Unsere Flügelspieler sollen durch ihre neuen Spielerollen das Spiel nur bedingt breit machen – Kompaktheit ist nach wie vor das Gebot der Stunde. Auch dem Kurzpassspiel wollen wir die Treue halten.

Neu ist, dass wir schneller spielen und wieder in Ballbesitz kommen wollen. Was sich bisher gezeigt hat: die Mischung aus nach innen ziehenden Außenverteidigern und dem ballerobernden Mittelfeldspieler ergänzt sich ganz gut. Die Feuerprobe in einem Pflichtspiel steht noch aus, ich bin aber davon überzeugt, dass wir damit die Klasse halten werden.

Fazit

Die Weichen für den Klassenerhalt sind gestellt. Ich hoffe nur, dass die Umstellung aufgeht und mein Traum von einem funktionierenden System mit Zehner und zwei Spitzen nicht erneut platzt.

Was ich als junger Trainer gelernt habe: Weniger stur zu sein und die Zeichen für eine Schieflage früher ernst zu nehmen. Deshalb will ich nach der Saison unsere Spiele mit der neuen Taktik in Ruhe auswerten, Schwachstellen früher ausmerzen – und dann in der neuen Saison neu angreifen.

Immerhin gibt es etwas, das mir zur neuen Saison Mut macht: Für den Aufstieg genügt es, die beste A-Mannschaft zu sein. Für Reserveteams ist in dieser Liga Schluss. Und ja – daran denke ich trotz der aktuellen Krise jetzt schon!

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